«Wouldn't it be nice... - 10 Utopien in Kunst und Design» im Museum für Gestaltung

DUNNE & RABY UND ANASTASSIADES · Huggable Atomic Mushrooms, Priscila, 2004, reflektierender Stoff, Polyesterfüllung. Foto: Francis Ware © bei den Autoren

DUNNE & RABY UND ANASTASSIADES · Huggable Atomic Mushrooms, Priscila, 2004, reflektierender Stoff, Polyesterfüllung. Foto: Francis Ware © bei den Autoren

Besprechung

Der kritische Zugriff auf die Realität ist längst nicht mehr das Privileg der bildenden Kunst. Seit den neunziger Jahren hat sich unter dem Begriff «Critical Design» auch im angewandten Bereich eine selbstreflexive und zugleich politisierte Praxis etabliert. Die Austellung «Wouldn't it be nice...» beleuchtet die unscharfe Zone zwischen Kunst und Design, in der utopische Ideen in alltagstaugliche Modelle umgesetzt werden.

«Wouldn't it be nice... - 10 Utopien in Kunst und Design» im Museum für Gestaltung

Fürchten Sie sich vor einem Atomschlag? Dann könnte Ihnen ein «Atompilz zum Knuddeln» Linderung verschaffen. Es handelt sich dabei um ein weiches, wahlweise rotes oder weisses Stoffobjekt in der Form eines Atompilzes, das man wie einen Teddybären in die Arme schliessen kann. «Huggable Atomic Mushrooms» nennt das britische Designerpaar Dunne & Raby (in Zusammenarbeit mit Michael Anastassiades) ihre mit Polyester gefüllten Atompilzmodelle aus reflektierendem Stoff. Sie gehören zu einer Serie von «hypothetischen Objekten», die als «Entwürfe für fragile Persönlichkeiten» kreiert wurden. Ihr Zweck ist ein doppelter: Sie sollen einerseits unsere Phobien zum Ausdruck bringen, andrerseits die Möglichkeit bieten, einen angemessenen Umgang mit diesen Ängsten zu erlernen.
Humor und Ironie sind in der Ausstellung des öftern anzutreffen, nicht selten gepaart mit einem kritischen Zugriff auf die Realität. Je fünf Beiträge sind hier von Kunstschaffenden und Designern versammelt. Doch geht es gerade nicht darum herauszufinden, welchem Feld denn der eine oder andere Beitrag zuzuordnen wäre. Vielmehr gilt es, die Frage der Kategorisierung ad absurdum zu führen und den unscharfen Zwischenbereich als eine besonders kreative Zone sichtbar zu machen, in der das utopische Gedankengut des Modernismus in pragmatische, alltagstaugliche Modelle umgesetzt wird. Neben dem theoretischen Fundament der «relational aesthetics» spielt auch der Diskurs des «Critical Design», als selbstreflexive Praxis und Reaktion auf die umfassende Kommerzialisierung des Designs, eine zentrale Rolle. Paradigmatisch für diese Haltung steht der spanische «Ex-Designer» Marti Guixé. Die selbst gewählte Bezeichnung betont einerseits seine Professionalität, markiert andererseits aber auch Distanz zum klassischen Designverständnis. In die Ausstellung hat der Spanier sein «Musée Guixé» mitgebracht, eine leichte schwarze Decke,wie sie fliegende Strassenhändler verwenden. Darauf präsentiert er von ihm gestaltete T-Shirts, Notizbücher und andere anspruchslose Dinge. Für Guixé, der den Designer der Zukunft als eine Figur mit revolutionärem Potenzial versteht, sind nicht Materialien und Formen zentral, sondern Ideen und Konzepte. Sein «Museum Guixé» will er auch als Statement gegen ein geplantes Designmuseum in seiner Heimatstadt Barcelona verstanden wissen, dessen Konzept auf einem traditionellen, objektfixierten Verständnis von Design beruht.
Mit Ausnahme der Künstlergruppe Superflex, die mit «Free Beer» erneut das brisante Thema Copyright anschneidet, wirken die Beiträge von Kunstschaffenden, darunter Alicia Framis, Ryan Gander und Tobias Rehberger, eher lau. Im Museum für Gestaltung haben diesmal die Designer die Nase vorn.

Bis 
24.05.2008

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