Giacomo Santiago Rogado, «first second patience»

Giacomo Santiago Rogado · Lucia, Öl auf Leinwand, 2008, 270 x 190 cm. Courtesy Mark Müller

Giacomo Santiago Rogado · Lucia, Öl auf Leinwand, 2008, 270 x 190 cm. Courtesy Mark Müller

Besprechung

Er ist knapp 30, erhielt den Manor-Kunstpreis Zentralschweiz und damit Gelegenheit zu einer Ausstellung im Kunstmuseum Luzern: Giacomo Santiago Rogado bekundet in seinen Grossformaten keinerlei Scheu vor dem effektvollen Ornament und gibt den Augen Gelegenheit zu mancherlei Abenteuerspielen.

Giacomo Santiago Rogado, «first second patience»

Gezackte Streifen reihen sich auf rohen Leinwänden vertikal aneinander. Ihre Farbgebung erweckt mit den abwechslungsreichen Verläufen den Eindruck präziser Planung. Die Ausführung ist geradezu perfekt. Fünf solche Grossformate bringt der Luzerner Giacomo Santiago Rogado (*1979) in der Manor-Kunstpreis-Ausstellung im Kunstmuseum Luzern zu wirkungsvoller Präsenz. Auch eine zweite fünfteilige Werkgruppe ist ornamentalen Charakters. Es sind hochformatige Bilder mit vertikalen Streifen auf roh belassener Leinwand. Sie biegen sich in der Mitte so, dass sie eine zwiebelförmige dunkle Öffnung aussparen. Neben diesen ornamentalen Gemälden zieht Rogado auch andere formale Register: «Lucia» mit sanft geneigtem Kopf und elegant konturierten Armen ist in fotorealistischer Manier in grauer Farbe auf die dunkle Rohleinwand gemalt. Die adrett frisierte junge Frau trägt eine Weste, die eine weisse Wolkenmalerei zeigt. Ihr gegenüber hängt «Affinity», den «Zwiebel-Bildern» ähnlich, doch blicken wir hier durch die Öffnung nicht in ein schwarzes Loch, sondern in einen romantischen Wolkenhimmel.
Rogado arbeitet fleissig und mit Raffinement. «Lucia» mag bald gesehen und ad acta gelegt sein, doch die Ornamentmalereien reizen das Auge: Gibt es ein System in den Streifenbildern? Wie genau sind die Farbverläufe aufgebaut? Welche Rolle spielt die Farbe, die zum Teil in spiegelnder Glätte so aufgetragen ist, dass sie das Licht je nach Blickwinkel anders reflektiert? Wie steht es mit den «schwarzen Löchern»? Sie sind, tritt man ganz nahe hinzu, überhaupt nicht schwarz, sondern bloss, was ihre Wirkung steigert, extrem dunkel.
Giacomo Santiago Rogado greift in die Trickkiste von Piero Dorazio, Op Art, Victor Vasarely und manchen Konstruktivisten. Gleichzeitig bedient er sich bei Magritte. Vielleicht verinnerlichte er auch bloss perfekt gestylte Missoni-Stoffe. Er tut das alles unbekümmert und ohne Rücksicht auf den möglichen Vorwurf, sein Heil im Oberflächenglanz des schönen, sicher gekonnt inszenierten, aber eben doch harmlosen Scheins zu suchen. Gibt er sich zufrieden mit der glitzernden Fassade, weil sie ihm schlicht gefällt - oder weil er sich mit seiner Kunst alltäglichen Widerwärtigkeiten gar nicht stellen mag und kann? In der opulenten Publikation (Kerber Verlag, Bielfeld/Leipzig) versuchen Ursula Pia Jauch, Konrad Bitterli und Magdalena Körner mit viel Theorie hinter diese Fassade zu leuchten.

Bis 
13.06.2009

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