Kotscha Reist, «Painting for Life»

Kotscha Reist · Monkey, 2008, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm. Courtesy Galerie Bernhard Bischoff & Partner

Kotscha Reist · Monkey, 2008, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm. Courtesy Galerie Bernhard Bischoff & Partner

Besprechung

«Painting for Life» lautet der doppeldeutige Titel der Ausstellung von Kotscha Reist in der Galerie Bischoff & Partner. Gezeigt werden Gemälde, die der 46-jährige Künstler in den letzten zwei Jahren schuf. Sie stehen in der Kontinuität des ?uvres - und sind gleichzeitig von einem neuen Duktus geprägt.

Kotscha Reist, «Painting for Life»

«Ich möchte, dass meine Malerei direkter, wilder und räumlicher wird», bemerkte Kotscha Reist im Vorfeld seiner neuen Ausstellung. In der Tat sind die Farben in manchen Bereichen kräftiger geworden, der Pinselduktus ist weniger verhalten, da und dort arbeitet der Maler vermehrt mit harten Konturen und Schatten. Hart schaut der «BB» - ein aus den Medien bekannter «Bad Banker» - aus dem Bild. Wie ausgeschnitten steht ein kleines Haus zwischen zwei Bäumen, deren Umrisse schwarz gemalt sind; ein Raster überzieht, als ob man durch ein Fenster in eine Landschaft schauen würde, das ganze Bild, das den Titel «Real Estate» trägt. Der «BB» und die «Liegenschaft»: Der Künstler reagiert direkt, doch verhalten und ohne zu moralisieren auf die aktuelle Wirtschaftskrise; er konstatiert einen aktuellen Zustand.
Zugleich zeigt «Real Estate» einen neuen Umgang mit dem Raum. Dieser entsteht nicht - sich langsam im Auge entwickelnd - wie bisher vor allem aus den verschiedenen Schichtungen der Farben, sondern durch Verschränkungen der Bildebenen. Der Hintergrund überblendet da und dort den Vordergrund. Es geht nicht um ein Abbild, sondern um die Frage nach dem Bild als Bild. Der Blick in die Landschaft ist zugleich ein Blick durch das Fenster in die Tiefe und ein Blick auf die reine, gemalte Fläche. Das Motiv des Rasters variiert Reist auch in den verschiedenen Ast-Bildern, ein Motiv, das ihn seit langem immer wieder beschäftigt. Indem er Äste zu Rastern wachsen lässt oder indem er das Kompositions- und Strukturprinzip des Rasters naturalisiert, findet er eine raffinierte Antwort auf das Verhältnis von Bild zur Wirklichkeit und von dessen Funktion als Selbstreflexion der Malerei. Dabei nimmt Reist auch immer wieder Sujets auf, die der Wirklichkeit von Fotografien entnommen sind, in Zeitschriften oder im Internet gefundenen oder eigenen. Porträts, immer wieder Vögel, ein Äffchen, ein Spielplatz - all das wird ihm zum Spielfeld der Malerei, in dem er immer wieder dem gemalten Leerraum und dem Malerischen Beachtung schenkt, zugleich aber das Narrative, manchmal geradezu Unheimliche nicht direkt ausschliessend.
Die Ausstellung «Painting for Life» fasst all diese nur scheinbar verschiedenen Stränge in präzisen Konstellationen zusammen. Sie zeigt den bildlichen und ästhetischen Kosmos einer äusserst produktiven Werkphase - und sie deutet mit ihrem Titel zugleich an, dass das Malen für den Künstler im doppelten Wortsinn Leben bedeutet: Lebensinhalt und -notwendigkeit, aber auch Ein- und Auskommen.

Bis 
29.05.2009

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