Luo Mingjun

Luo Mingjun · Soleil, 2008, Öl auf Leinwand, 110 x 150 cm. Foto: Jinjing Bo

Luo Mingjun · Soleil, 2008, Öl auf Leinwand, 110 x 150 cm. Foto: Jinjing Bo

Hinweis

Luo Mingjun

Anlässlich ihrer ersten Ausstellung in China, 2007, nähte die Malerin Luo Mingjun (*1963) in einer Performance ihre schweizerische und ihre 1987 ungültig gewordene chinesische Identitätskarte zusammen. Die Öffnung Chinas erlaubte es ihr nach 20 Jahren in Biel, ihre Identität wieder als Ganzheit zu erleben. Malte sie in China in «westlichem» Stil, wurde in der Schweiz die chinesische Tusche zum wichtigsten Medium. Bis sie vor einigen Jahren dazu fand, klassisch-westliche Werte, zum Beispiel im Umgang mit Licht und Schatten, die Subtilität chinesischer Malerei und zeitgenössisches Empfinden zu verbinden. Zuerst in Stillleben, dann in fein schraffierten Zeichnungen nach verblassten Fotos aus ihrer Kindheit und fast transparent grundierten, mit kalligrafischer Souplesse gemalten Ölbildern in hellen Grautönen. Die nun gezeigten Werke lassen das Thema von Erinnern und Vergessen beiseite. In «Déchiffrer» spielt Figürliches, ihre eigene Person, nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen sehen wir Fragmente zerfallener Architektur, ein kleinteilig überwachsenes Ufer, Wohnblocks hinter einer Tümpelbrache. Und es scheint, als würde der Mond, vielleicht auch eine ferne Strassenlaterne, die hellen Stellen beleuchten. Doch die Melancholie verheisst auch Wachstum: Eine junge, an einen Holzschopf lehnende Frau vertritt die Künstlerin in ihrer eigenen Entwicklung zur Weltbürgerin.

Bis 
30.05.2009
Künstler/innen
Luo Mingjun
Autor/innen
Annelise Zwez

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