Maria Elena González und Alan Ebnother, «Reduxion»

Maria Elena Gonzáles · Euklidisches Dorf, Isolationsschaum, 2009, Gesamtansicht und Detail, Dimension variabel

Maria Elena Gonzáles · Euklidisches Dorf, Isolationsschaum, 2009, Gesamtansicht und Detail, Dimension variabel

Besprechung

Kleine Häuser, schlicht und einfach in der Form. Nicht minder die Kuben, Würfel und Zylinder. Kaum eine der Skulpturen von Maria Elena González ist grösser als dreissig Zentimeter und sie bestehen alle aus Werkstoffen, die für wenige Franken zu haben sind. Ein künstlerischer Kommentar zur Finanzkrise?

Maria Elena González und Alan Ebnother, «Reduxion»

Die Versuchung, die jüngste Werkgruppe von Maria Elena González auf die aktuelle wirtschaftspolitische Lage zu beziehen, ist gross. Insbesondere dann, wenn man weiss, dass sie noch im vergangenen Herbst eine umfangreiche Einzelausstellung in der New Yorker Galerie Knoedler & Co. mit aufwändig hergestellten Bronze­güssen bestritt. Bei Gisèle Linder tritt die Amerikanerin nun zusammen mit Alan Ebnother unter dem sinnigen Titel «Reduxion» auf.
Während bei Alan Ebnother die malerische Reduktion auf eine einzelne Farbe, Grün, interessiert, steht bei Maria Elena González der minimalistische Ausgangspunkt im Fokus. Bekanntlich bedeutet Minimalismus zunächst einen Verzicht auf Darstellung und konkrete Narration: Viele von Gonzáles' Werken handeln zwar vom Menschen, dieser kommt aber nicht oder höchstens indirekt vor. Sinnigerweise hat sich die Plastikerin jahrelang mit dem Haus als Motiv beschäftigt. Ein ganzer Werkzyklus besteht aus Grundrissen, die man ablaufen und sich über eigene Assoziationen aneignen kann. Eine weitere Variation ergab sich über die intensive Hinwendung zum katholischen Reliquiar: Das auf Modellmass geschrumpfte Haus funktioniert als Behältnis für einen Gegenstand, dessen spirituelle Dimension ungleich grösser ist als seine physische.
Während Jahren arbeitete die als Jugendliche in die USA imigrierte Kubanerin daran, minimalistische Zurückhaltung mit erzählerischem Gehalt zu verbinden. Heute ist ihr Werk selbstreflexiv und persönlich, komplex, metaphorisch aufgeladen und doch immer auch sehr konkret: «I'm a material girl», sagt sie. «Ich liebe es, mit dem Material zu experimentieren und meine Werke daraus zu entwickeln.» Eine vom eigenen Lebenskontext geprägte Dynamik prägt auch die neueste Werkgruppe bei Gisèle Linder. Auf einem niedrigen Tisch installiert und bewusst aus Kinderperspektive konzipiert bekommt sie einen humorvollen Zug verpasst: Die Künstlerin hat die modellhaft kleinen Häuschen zu einem Spielzeugdorf zusammengefügt. Sie selbst spricht von einem euklidischen Dorf. Durch das geschäumte Material wird dessen Geometrie natürlich massiv infrage gestellt. Maria Elena González zeigt uns ein «Global Village», das arg mitgenommen und ziemlich durch den Wind ist.

Bis 
22.05.2009

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