Michel François, Hesperiden I

Michel François · Pièce à conviction II, 2009, gepanzertes Glas, Stahl, 200 x 200 x 200 cm. Courtesy Galerie Xavier Hufkens, Bruxelles und Galerie Carlier Gebauer, Berlin ©ProLitteris Zürich

Michel François · Pièce à conviction II, 2009, gepanzertes Glas, Stahl, 200 x 200 x 200 cm. Courtesy Galerie Xavier Hufkens, Bruxelles und Galerie Carlier Gebauer, Berlin ©ProLitteris Zürich

Hinweis

Michel François, Hesperiden I

Hesperiden sind Nymphen, die am westlichen Rande des Abendlandes in einem Garten leben und zusammen mit dem hundertköpfigen Drachen Ladon einen Baum mit goldenen Äpfeln bewachen. Der imagi­näre Garten der Hesperiden steht im Zentrum einer dreiteiligen Ausstellung des Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne. Wegen Reno­vierungsarbeiten im Palais de Rumine beschränkt sich die Ausstellung, die im Rahmen des diesjährigen «Lausanne Jardins 2009» konzipiert wurde, auf zwei Säle und eine ins Thema einführende Eingangsinstallation des französischen Künstlers Jacques Vieille. Der erste Teil zeigt eine Einzelausstellung des belgischen Künstlers Michel François (*1956). François greift den mythologischen Garten und dessen Unerreichbarkeit für Sterbliche auf und transponiert ihn auf die Begriffe der Territorialität, Integration/Ausgrenzung und Illegalität. Wie oft in François' Werken, öffnet und aktiviert er mit Akkumulation und Geste eine räumliche und symbolische Zeichensetzung, die in dieser Ausstellung einen deutlich politischen Akzent trägt. In einer Vitrine liegen die Sandalen eines illegalen mexikanischen Einwanderers, deren manipulierte Sohlen Kuhhufenabdrücke hinterlassen und an der Grenze zu New Mexico von Grenzwächtern gefunden wurden. Ein «Pièce à conviction» des entmenschlichten Versuchs, in eine bessere Welt zu treten. «Pièce à conviction II» ist ein gepanzerter Glas­- kubus, dessen Seitenwände durch Hammer­schläge zersprungen sind, jedoch unzerbrochen und somit unzugänglich in sich geschlossen bleiben. Entlang den Wänden liegt eine Bordüre von mit Hand zerdrückten, rohen Tonklumpen, ein zerstückeltes Territorium, das der Künstler wiederholt in seinen Ausstellungen aufgreift. Beweisstücke und Abdrücke von Spuren, die François zu verstehen und verändern sucht - ein «Bildhauer» im wörtlichen Sinne, der uns seine umgestülpten, abstrakten Zeichen umkreisen und still beobachten lässt. Am Ende steht eine von einem Kompressor angetriebene, wehende, weisse Flagge, die laut und energieaufwändig ihre Symbolik und Wahrnehmung einfordert.

Bis 
29.05.2009

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