Cyprien Gaillard

Cyprien Gaillard · Cities of Gold & Mirrors, 2009, 16 mm Film still, Courtesy Laura Bartlett Gallery, London

Cyprien Gaillard · Cities of Gold & Mirrors, 2009, 16 mm Film still, Courtesy Laura Bartlett Gallery, London

Hinweis

Cyprien Gaillard

Es sind nicht die für die Ewigkeit errichteten Monumente, die Cyprien Gaillard (s. KB 12/2008) an Architektur interessieren. Reizvoll wird sie im ambivalenten Moment grösster Schwäche und Dynamik: Wenn Bauwerke in einem apokalyptischen Showdown gesprengt werden, nachdem sie veraltet und zerfallen zu Hindernissen geworden sind. Monströs sind die Gebäude im 16-mm-Film «Cities of Gold and Mirrors», 2009, einem von drei Werken des Künstlers in der Kunsthalle. Von der Exposition bis zur Katastrophe wie ein Drama in fünf Ak­-ten angelegt, ist der Handlungsort der Einstellungen stets derselbe: Cancún, das Eldorado für Massentourismus, das im Nebeneinander archäologischer Tempelreste und postmoderner Hotelpaläste verstört und fasziniert. Die Zeit der Bilder scheint jedoch verschoben: Die Aufzeichnung einer Gruppe Halbwüchsiger, die sich komatösen Trinkritualen hingeben, steht neben einer vermummten Gestalt, die auf den Überresten einer historischen Stätte einen bizarren Tanz vorführt. Höhepunkt ist die Sprengung eines gigantischen Hotelkomplexes mit verspiegelter Fassade, die im Abendlicht aufblitzt. Betört von der nostalgischen Schönheit der analogen Bilder und der immergleichen Melodie fällt es schwer, sich der melancholisch-endzeitlichen Stimmung des Films zu entziehen.

Bis 
23.05.2010
Autor/innen
Isabel Friedli
Künstler/innen
Cyprien Gaillard

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