Peter Roehr/Charlotte Posenenske

Charlotte Posenenske · Vierkantrohre Serie D, 1967, Stahlblech, Installation aus 31 Elementen (Autorisierte Rekonstruktion), Ausstellungsansicht Haus Konstruktiv, Erdgeschoss.
Foto: A.Burger

Charlotte Posenenske · Vierkantrohre Serie D, 1967, Stahlblech, Installation aus 31 Elementen (Autorisierte Rekonstruktion), Ausstellungsansicht Haus Konstruktiv, Erdgeschoss.
Foto: A.Burger

Peter Roehr . Ohne Titel (FO-83), 1966, Papier in Kunststoff, 43 x 44,5 cm. (c) ProLitteris, Zuerich

Peter Roehr . Ohne Titel (FO-83), 1966, Papier in Kunststoff, 43 x 44,5 cm. (c) ProLitteris, Zuerich

Hinweis

Peter Roehr/Charlotte Posenenske

Eng befreundet, ja seelenverwandt waren die beiden deutschen Künstler Charlotte Posenenske (1930-1985) und Peter Roehr (1944-1968), die gegenwärtig im Haus Konstruktiv in zwei Einzelschauen gezeigt werden. Beide schufen innerhalb weniger Jahre einen konsequenten Werkkorpus, den sie 1968 bewusst beendeten: Posenenske, um Soziologie zu studieren und die Gesellschaft zu verändern, Roehr, um zu sterben. Was sie formal verbindet, ist ihre Hinwendung zum Seriellen, Variierbaren, Einfachen und Vorgefertigten. Und auch darin waren sie sich einig: «Monotonie ist schön».
Posenenskes Weg führte von informellen, Natur andeutenden Zeichnungen und Gemälden in zurückhaltenden Farbtönen über geknicktes Papier mit grosszügigen Farbflächen zu Werken, die sich von der Wand lösen. Es folgten Bausatzsysteme mit fünf bis sechs Modulelementen aus Wellpappe oder Blech, unbemalt, in den Primärfarben oder Schwarz. Zum Selbstkostenpreis erwerbbar, unlimitiert herstellbar und von jedem nach wenigen Regeln beliebig kombinierbar, stehen diese Werksätze für ihre demokratische Kunstauffassung. Der Ausstellung sieht man die Lust am freien Aufbau der Werke an: Die Vierkantröhren korrespondieren mit der Architektur; Drehflügel und Raumteiler dürfen munter benutzt werden. Roehrs Ordnungsgefüge entstanden ebenfalls aus Alltagsmaterialien, jedoch nicht aus dem Bau-, sondern dem Grafik- und Werbebereich: Etiketten, Preisschilder, Buchstaben oder Prospekte. Derselbe Goldbuchstabe wurde mehrmals neben- und untereinander auf die Bildfläche gesetzt, so, dass sich Bilder mit abstrakten Gitterstrukturen ergeben. Nach dem gleichen Schema verfuhr Roehr mit Fotografien, die er ausschnittgetreu aus Werbematerialien entnahm und aufklebte - wohlgemerkt immer dasselbe Motiv. Die Wahrnehmung dieser Arbeiten changiert zwischen der Erfassung des narrativen Einzelbilds und der Betrachtung des abstrakten Ganzen. «Eilt sehr»-Aufkleber und Fotos von Autositzen, Rückleuchten oder Kaffeetassen entwickeln einen faszinierenden Farb-Form-Rhythmus. Durch Monotonie, Readymade und Beteiligung anderer wollte Roehr den eignen Anteil an der Werkherstellung minimieren.
Obgleich beide Künstler Serie, Wiederholung, Kooperation und einfache Gegenstände einsetzten, um Geniekult und Markt zu entrinnen, sind ihre Werke durch die Materialwahl und Festlegung der Gebrauchs- bzw. Ordnungsregeln unverwechselbar. Denn zählt nicht seit Duchamp die Idee mehr als das Werk?

Bis 
22.05.2010

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