Timelapse

Jin Jiangbo · Chat, 2008, Installation (Mixed Media)

Jin Jiangbo · Chat, 2008, Installation (Mixed Media)

Besprechung

Dem abstrakten Begriff der Zeit widmet sich ein ambitioniertes schweizerisch-chinesisches Ausstellungsprojekt im Centre PasquArt in Biel. Zwölf Kunstschaffende erkunden in Video-Installationen unterschiedliche Aspekte des Themas. Das Ergebnis ist klug, gehaltvoll und manchmal auch spielerisch.

Timelapse

Die lebensgrosse Figur eines Internet-Surfers bildet den eindrucksvollen Auftakt der Schau. Der Kopf ist auf den Laptop auf dem Tisch gesunken. Über ihm schwebt eine Wolke aus Computerbildschirmen. «Chat», 2008, heisst die Installation von Jin Jiangbo, die sowohl das Vergessen der Zeit beim Web-Surfen aufgreift als auch das oft unwillkommene Gedächtnis des Internet, das im virtuellen Raum ausgeplauderte Intimitäten endlos speichert.
Die Ausstellung «Timelapse» entstand als Projekt des Programms «Swiss Chinese Explorations» der Pro Helvetia in Kooperation mit dem Chinesischen Nationalmuseum in Peking. Pro Helvetia fördert den Kulturaustausch zwischen China und der Schweiz und setzt dabei einen deutlichen Schwerpunkt auf die electronic arts, die für viele Museen noch immer eine Herausforderung darstellen, wie Marianne Burki von Pro Helvetia anmerkt. Kurator Zhang Ga hat je sechs Kunstschaffende aus China und der Schweiz in die Schau integriert, darunter hierzulande bekannte Namen wie Peter Aerschmann, Hervé Graumann, Alexander Hahn. «Timelapse» macht es auch dem Betrachter nicht immer leicht. Die Arbeiten fordern nicht nur ein Mitdenken, sondern manchmal auch ein Mitmachen. Zhang Peilis «Landscape with Spherical Architecture», 2008, öffnet sich dem Betrachter erst, wenn dieser sich in Bewegung setzt. Aus der Distanz betrachtet, bleiben die in Reihe installierten 36 kleinen Monitore dunkel. Erst wenn der Besucher daran vorbeigeht, erscheinen Strassenszenen. Die Einzelbilder sind in geringem räumlichen Abstand aufgenommen und ergeben einen zeit­enthobenen Spaziergang. Hervé Graumanns Installation «For Machines», 1999-2010, stellt die Videoaufnahmen alltäglicher Handlungsabläufe gegen die Echtzeit-Bewegungen per Zufallsgenerator ein- und ausgeschalteter Elektrogeräte.
Für Kurator Zhang Ga standen am Beginn des Ausstellungskonzepts Fragen nach der visuellen Darstellbarkeit von Zeitphänomenen und der kulturellen Bedingtheit von Zeiterleben. Die Arbeiten aus Ost und West sind jedoch oft überraschend ähnlich. Chen Shaoxiong konstruiert in «Visible and Invisible, Known and Unknown» die optische Umsetzung einer Zeitschleife, die entfernt an eine Modelleisenbahnanlage erinnert. Die beiden Berner Timo Loosli und Daniel Werder steuern mit «The Loop», 2008, eine thematisch verwandte Arbeit bei. Bei Loosli und Werder windet sich ein Magnettonband als Endlosschleife durch zahlreiche Aufnahme- und Abspielgeräte, nimmt die Raumgeräusche auf und spielt sie, leicht zeitversetzt, wieder ab.

Bis 
29.05.2010

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

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