Alex Katz

Alex Katz · Yellow Flags (Wasser-Schwertlilien), 2011, Öl auf Leinen, 213,4x609,6 cm, Ausstellungs­ansicht Museum Haus Konstruktiv ©ProLitteris. Foto: Stefan Altenburger

Alex Katz · Yellow Flags (Wasser-Schwertlilien), 2011, Öl auf Leinen, 213,4x609,6 cm, Ausstellungs­ansicht Museum Haus Konstruktiv ©ProLitteris. Foto: Stefan Altenburger

Alex Katz & Felix Vallotton · Ausstellungsansicht Musée cantonale des Beaux-Arts, 2013 ©ProLitteris

Alex Katz & Felix Vallotton · Ausstellungsansicht Musée cantonale des Beaux-Arts, 2013 ©ProLitteris

Besprechung

Neben einer Retrospektive in Salzburg gelten zurzeit auch zwei Schauen hierzulande dem vielleicht gewichtigsten Aussenseiter des American Way of Painting. Brillant nutzen Dorothea Strauss und Bernard Fibicher das Terrain ihrer Institutionen in Zürich und Lausanne, um das Enigma Katz neu zu ergründen.

Alex Katz

Alex Katz (*1927, Brooklyn) schlug den Weg des Figurativen just in dem Moment ein, als in New York und bald im ganzen Westblock keine andere Malerei mehr denkbar war als diejenige des Abstrakten Expressionismus. Von Greenberg etwa wurde Katz erst einmal als «lousy» abgestempelt. Erst um die Jahrtausendwende schlug er plötzlich in der Kunstwelt ein, vor allem als kongenialer Ikonograf der «coolness» der intellektuellen Elite von New York. Auch wurde er plötzlich als Vorläufer der Pop Art gedeutet, weil man in der frischen und von der Spannung zwischen scharfen Kontrasten und feinen Übergängen lebenden Palette, der Vereinfachung und Verflachung der Gegenstände, den zuweilen dramatischen Zooms und Riesenformaten Kunstgriffe aus der Werbegrafik und des Spielfilms erkennen konnte. Dennoch bedient er sich alles anderen als eines populären Bilderschatzes, sondern pflegt stets die klassischen Genres Porträt, Landschaft, Akt und Stillleben.
Strauss und Fibicher brechen nun eine Lanze für die oft verkannte autonome Dimension seiner Malerei und nutzen den Genius Loci ihrer Institutionen. Nicht umsonst hat Katz seine Position in seinen autobiografischen Notizen als «post-abstract realist style» resümiert. Strauss konzentriert sich im Haus Konstruktiv, in dem es programmatisch um die Auslotung konstruktiver und konzeptueller Kunst geht, auf Katz' ‹Landscapes›, nicht zuletzt in ihrer metaphorischen Grösse als Dispositionen von Elementen in einem Rahmen; Fibicher konfrontiert im Musée cantonal unter dem Titel ‹Peinture› das Werk von Katz mit dem des Hauskünstler Félix Vallotton (1865-1925), der ein Menschenleben früher zwischen Lausanne und Paris pendelte und bereits um 1900 zu oft verblüffend ähnlichen Bildlösungen fand. Hier die Konzentration und dort die Konfrontation führen dann aber zu radikal verschiedenen, wenn auch gleichermassen grossartigen Ausstellungserlebnissen. In Zürich sehen wir, wie Katz Schwertlilien in einer Wiese umstrukturiert, wie er eine neue Lichtregie einführt und uns in einen Assoziationsraum führt, in dem wir uns ungewöhnlich ungezwungen zwischen dinghaften und malerischen Phänomenen hin und her bewegen können. In Lausanne versucht man Ähnlichkeiten und Unterschiede nicht nur zu beobachten, sondern zu erklären, eine echte kunsthistorische Herausforderung, die aufwühlende Fragen über die Entwicklung von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in den letzten 150 Jahren provoziert.

Bis 
08.06.2013
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Alex Katz, Félix Vallotton 22.03.201309.06.2013 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH
Joachim Grommek, Alex Katz 07.03.201312.05.2013 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier
Künstler/innen
Alex Katz

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