Henry van de Velde

Henry van de Velde, in seinem Arbeitszimmer im Haus Hohe Pappeln in Weimar, 1907/08 ©ProLitteris. Foto: Klassik Stiftung Weimar

Henry van de Velde, in seinem Arbeitszimmer im Haus Hohe Pappeln in Weimar, 1907/08 ©ProLitteris. Foto: Klassik Stiftung Weimar

Henry van de Velde · Frisierplatz aus dem Salon François Haby in Berlin, 1901-1904 ©ProLitteris/Klassik Stiftung Weimar. Foto: Roland Dressler Binder

Henry van de Velde · Frisierplatz aus dem Salon François Haby in Berlin, 1901-1904 ©ProLitteris/Klassik Stiftung Weimar. Foto: Roland Dressler Binder

Hinweis

Henry van de Velde

Das Museum Bellerive ist in einer grosszügigen Villa aus dem Jahr 1931 im Zürcher Seefeldquartier zu Hause. «Zu Hause» ist ein passender Ausdruck, gehen Gebäude und Museum doch eine einzigartige Symbiose ein, so ganz anders als die im Kunstbetrieb vorherrschenden «White Cubes». Nun lädt eine ebenso ausgedehnte wie faszinierende, thematisch konzipierte Ausstellung zum Erforschen und Entdecken des Universums von Henry van de Velde ein. Es ist eine Promenade durch Wohn- und Arbeitsräume, welche das Team unter der Leitung der Kuratorin Sabine Panchaud mit viel Sorgfalt aufgebaut hat. Das markante Plakat stammt von Stefanie Häberli-Bachmann.
Form und Funktion gehörten beim 1863 in Antwerpen geborenen van de Velde zusammen. Ornamente wurden vereinfacht; praktische und rationale Grundlagen sowie eine für diese Zeit provokative Formensprache bildeten die Basis seines über die Jahre herausgearbeiteten Stils. Van de Velde ging von der Maxime aus, dass die Gestaltung eines Gegenstandes mit seiner Zeit verbunden war. Der studierte Maler liess sich durch die Arts and Crafts-Bewegung inspirieren, wandte sich 1892 der angewandten Kunst zu und bildete sich autodidaktisch zum Architekten aus. In Weimar baute er 1902 das kunstgewerbliche Seminar auf, aus dem sechs Jahre später die Kunstgewerbeschule wuchs. Van de Veldes Pionierleistung bestand im Zusammenbringen von Kunst und Handwerk in einem nichtakademischen Lehrgang, lange bevor die Idee vom Bauhaus aufgenommen wurde. 1907 waren erstmals Werke von ihm im damaligen Kunstgewerbemuseum Zürich zu sehen.
Man hält immer wieder inne auf dem Rundgang durch das Haus; unter dem Wandbehang «Die Engelwache» in der Halle ebenso wie vor dem Ensemble aus dem Salon des kaiserlichen Hoffriseurs François Haby, wo der Stuhl einladend bereitsteht, jedes Ding seinen Platz hat und der Geruch von Parfum und Haarwasser in der Luft zu liegen scheint. Fotografien und Zeichnungen ergänzen die Exponate und lockern deren oft grosse formale Strenge etwas auf.
Van de Velde war auch ein vielseitiger Buchgestalter und Publizist. Beispiele aus dieser Sparte sind etwa die Arbeiten für den Leipziger Insel-Verlag, darunter Nietzsches «Also sprach Zarathustra». Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Henry van de Velde zusammen mit seiner Tochter Nele in Oberägeri, wo er am 25. Oktober 1957 starb.

Bis 
31.05.2014
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Henry Van de Velde 28.02.201401.06.2014 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Thomas Schlup
Künstler/innen
Henry Van de Velde

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