Vittorio Santoro

Vittorio Santoro · In/Voluntary Movement Diagram (Josef K.), 2014, Kabel, 5 Glühbirnen, Dimmer, Aufhängevorrichtungen, 4 Spannplatten, mit gravierter, geschwärzter Linie, 40 Aluplättchen mit gravierten Zahlen, Farbe, Masse variabel, Courtesy Galerie Jérôme Poggi, Paris/Counter Space, Zürich. Foto: Patrick Lafièvre

Vittorio Santoro · In/Voluntary Movement Diagram (Josef K.), 2014, Kabel, 5 Glühbirnen, Dimmer, Aufhängevorrichtungen, 4 Spannplatten, mit gravierter, geschwärzter Linie, 40 Aluplättchen mit gravierten Zahlen, Farbe, Masse variabel, Courtesy Galerie Jérôme Poggi, Paris/Counter Space, Zürich. Foto: Patrick Lafièvre

Vittorio Santoro · Untitled (P.P.P.), 2013/14, Zeitschrift in Plastikfolie, Kabel, 4 Glühlampen, Dimmer, Aufhängevorrichtungen, Masse variabel, Courtesy Galerie Jérôme Poggi, Paris/ Counter Space, Zürich. Foto: Patrick Lafièvre

Vittorio Santoro · Untitled (P.P.P.), 2013/14, Zeitschrift in Plastikfolie, Kabel, 4 Glühlampen, Dimmer, Aufhängevorrichtungen, Masse variabel, Courtesy Galerie Jérôme Poggi, Paris/ Counter Space, Zürich. Foto: Patrick Lafièvre

Hinweis

Vittorio Santoro

«Ja, was wollen Sie denn? sagte Josef K.» So unerklärlich der Hauptprotagonist eines Morgens plötzlich zwei Wächtern gegenübersteht, so quälend uneinsichtig bleibt während des ganzen Romans das, was schlicht «das Gesetz» genannt wird und Josef K. einer bürokratischen Absurdität ausliefert, die wie Schleifpapier die menschliche Würde abschmirgelt. Franz Kafkas ‹Der Prozess› hat einen inhaltlichen Duktus, den sich der in Paris lebende Schweizer Vittorio Santoro als Ausgangslage seiner skulpturalen Installation im Zürcher Counter Space genommen hat: ‹In/Voluntary Movement Diagram (Josef K.)› basiert auf den Bewegungen des Verhafteten Josef K. im ersten Kapitel des 1925 postum veröffentlichten Buches. Auf betretbaren hölzernen Bodenplatten sind Josef K.s Schritte als Notation angebracht, welche in ihrem dichten, unübersichtlichen Gewirr ein Sinnbild für dessen Verfasstheit geben. Mit einer den Raum durchziehenden Glühbirnen-Kette und einem schwarzen Monochrom an der Wand vermeidet Santoro jedoch die Falle der Illustration und übersetzt die Referenzen stattdessen in eine eigenständige ästhetische Inszenierung, die sowohl als formale Komposition als auch als hintergründige Befragung von Verhaltensweisen und Betrachtungsarten vor/von Kunst gelesen werden kann.
Santoro, der seine Arbeiten in der Schweiz zuletzt in der Kunsthaus-Ausstellung ‹Shifting Identities› 2008 zeigte und seither u.a. im Centre Pompidou, Paris, oder der Tate Modern, London, ausstellte, interessiert sich in seinem künstlerischen Schaffen für das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, insbesondere auch für die Rolle des Künstlers. So verwendet er das Cover eines französischen Fernsehmagazins mit dem Porträt des italienischen Filmregisseurs Pier Paolo Pasolini als Teil einer Wandinstallation, die mit ihrem Einbezug von Lichtquellen und der mittigen Platzierung dieser Frontseite Aspekte eines Altars evoziert. Doch das Magazin ist noch ungeöffnet, im Plastik versiegelt und platziert die Installation im Spannungsfeld von Konservierung, Ikonisierung, Warenfetisch und Desinteresse - ein vielschichtiger Kommentar auf die Figur Pasolinis und den Stellenwert von dessen sozialkritischer künstlerischer Haltung. Im Projekt der Kuratoren Angelo Romano und Tashi Brauen führt Santoro zusätzlich als Real-Time-Act das Bewegungsdiagramm von Josef K. nochmals selbst aus und hinterlässt es als Spur.

Bis 
09.05.2014
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Vittorio Santoro 22.03.201410.05.2014 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Gabriel Flückiger
Künstler/innen
Vittorio Santoro

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