Manon

Manon · Mund, 2013, C-Print in Leuchtkasten

Manon · Mund, 2013, C-Print in Leuchtkasten

Hinweis

Manon

Die biologische Uhr ist eine jener Metaphern, die sich aus dem Medien-Deutsch gar nicht mehr wegdenken lassen. Sie tickt verlässlich immer dann, wenn es um späte Mütter und die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere geht. Frauen, so scheint es, sind der Vergänglichkeit stärker unterworfen als Männer. Im Kunsthaus Interlaken lässt Manon (*1946) eine grosse Wanduhr für alle Besucher/innen ticken. In den Siebzigerjahren sorgte die gebürtige Bernerin mit ihren Installationen für Furore. Das ‹lachsfarbene Boudoir›, 1974, mit aufreizend zerwühltem Seidenbett, Spiegeln, Nippes und Alkoholika wurde legendär. Später verlegte sich die Künstlerin auf fotografische Selbstinszenierungen, die sich mit weiblicher Schönheit und Identität beschäftigen - und in den letzten Jahren auch mit Vergänglichkeit. Zum Beispiel in der Serie ‹Einst war sie Miss Rimini›, 2003, in der das ehemalige Fotomodell Manon durchspielt, was aus einer Schönheitskönigin der Siebzigerjahre alles hätte werden können: Nonne, Schauspielerin, Putzfrau oder Ehefrau in gutbürgerlichen Verhältnissen. Zeigt sich Manon in diesen Fotografien noch melancholisch verspielt, so wird der Tonfall in den jüngsten Arbeiten strenger. Der Parcours endet in einem weiss gekachelten Kubus, dem ‹Wartsaal des Todes›. Kalt ist es darin und alle 15 Sekunden erklingt eine Zeitansage. Die biologische Uhr tickt unerbittlich.

Bis 
02.05.2015
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Manon 07.03.201503.05.2015 Ausstellung Interlaken
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Manon

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