Sandrine Pelletier - Melancholische Kompositionen

Sandrine Pelletier · Only the Ocean is Pacific: Composition 1, 2015, Ausstellungsansicht, Musée des Beaux-Arts Le Locle

Sandrine Pelletier · Only the Ocean is Pacific: Composition 1, 2015, Ausstellungsansicht, Musée des Beaux-Arts Le Locle

Sandrine Pelletier · Only the Ocean is Pacific: Composition 3, 2015, Ausstellungsansicht, Musée des Beaux-Arts Le Locle

Sandrine Pelletier · Only the Ocean is Pacific: Composition 3, 2015, Ausstellungsansicht, Musée des Beaux-Arts Le Locle

Besprechung

Die Sogkraft der Bildwelt von Sandrine Pelletier ist kein ­Geheimnis mehr. Seit ein paar Jahren wird die sachte über die visuelle Kommunikation zur Kunst gekommene Jurassierin mit Stipendien und Preisen überhäuft. Nun widmet ihr das Musée des Beaux-Arts Le Locle die erste institutionelle Einzelschau.

Sandrine Pelletier - Melancholische Kompositionen

Die Direktorin Nathalie Herschdorfer gab dem in den Bereichen Graphic Design, Set Design, Comic, Cabaret sowie zunehmend auch Textilkunst und Plastik tätigen Multitalent Sandrine Pelletier (*1976) Carte blanche in zwei der nach einer Restaurierung wiedereröffneten Ausstellungsräumen: einerseits in der mit leuchtend weissen Wänden und einem Betonboden versehenen Vitrine zur Strasse hin, andererseits unter der Wölbung aus gefärbtem Glas der ehemaligen Bibliothek, an deren Behaglichkeit noch Kachelöfen, Boiserie und Parkett erinnern. Die Gemeinsamkeit der beiden Räume machte Pelletier in einem aquatischem Klima aus, das sie unter dem Titel ‹Only the Ocean is Pacific› in drei monumentale Installationen fasste.
Wie in früheren Grossprojekten, die Pferde, Höhlen, Rutschen und veritable Teufels- oder Hexenkreise zeigten, tauchte sie auch hier bei den Vorbereitungen ganz in ihre Bildwelten ab. Auf einer symbolischen Ebene könnte man von einer Auflösung des Ichs sprechen, um dann über die körperliche Arbeit bei der plastischen Umsetzung wieder zurück zum Physischen zu finden. So röstete sie in den beissend kalten Winterwochen unweit vom Museum 120 Meter Holzbalken über einem Feuer, um daraus für die Bibliothek eine nach oben offene Konstruktion zu bauen, die an im Wasser versunkene Reste einer vergangenen Zivilisation erinnert. Weiter experimentierte sie in der Hitze vor den dröhnenden Öfen einer Glasbläserei in der Bretagne mit ausgekipptem Glas, um Holzstäbe so zu umfangen, dass diese wie soeben von einer Welle an den Strand geworfenes Gut wirken. Vor allem aber rieb sie sich an den Wänden der Vitrine richtiggehend schrundig - in den drei Wochen, in denen sie die über zwanzig Meter lange Kohlefreske anfertigte, die den Eindruck vermittelt, als ob wir über Hunderte von Strahlenbündeln, Spiegelungen und Bläschen aus dem Meer zu gleissendem Licht hochschauen würden.
Nicht nur der Widerhall dieses physischen Ringens in den Installationen, sondern auch deren geniale Ambivalenz zwischen Abstraktion und Figuration, Bewegungen nach unten und oben, hinein und hinaus ermöglichen dem Publikum eine starke, fast therapeutische Erfahrung des Sich-Verlierens und -Zersetzens sowie Wiederfindens und Heraustretens. Denkt man an den Abbruch der ephemeren Werke nach Ausstellungsende, möchte man deshalb laut ausrufen: Gnade!

Bis 
29.05.2015

Werbung