Albarrán-Cabrera — Nichts ist, wie es einmal sein wird

Albarrán-Cabrera · This is you here #46A, 2017, Pigmentdruck auf Japanpapier und Blattgold
 

Albarrán-Cabrera · This is you here #46A, 2017, Pigmentdruck auf Japanpapier und Blattgold

 

Besprechung

‹Remembering the Future› ist die erste, umfassende Einzelausstellung von Angel Albarrán und Anna Cabrera in der Schweiz. Ihre stimmungsvollen Fotografien oszillieren zwischen Vergangenheit, Zukunft, Realem und Fiktivem – und bauen Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft auf.

Albarrán-Cabrera — Nichts ist, wie es einmal sein wird

Zürich — Ich hole meine Notizen hervor, gehe sie Zeile für Zeile durch und erinnere mich an die gesehene Ausstellung. Erst gestern stand ich vor der Bildhalle und blickte neugierig durch ihr Schaufenster in den hell ausgeleuchteten Raum. «Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur», stand in schwarzen Lettern auf der weissen Wand. Das Zitat von Max Frisch nahm vorweg, welche Fragen ich mir gleich stellen würde: Wie nehmen wir die Zeit wahr, die unsere Realität prägt? Wie gehen wir mit unserer Vergangenheit und unserer Zukunft um? Entspricht die Erinnerung tatsächlich dem Geschehenen? Ist unsere Vorstellung der Zukunft objektiv? Mit diesen Fragen beschäftigen sich auch die spanischen Fotografen Angel Albarrán und Anna Cabrera (*1969, leben in Barcelona). Ihre Ausstellung nennen sie ‹Remembering the Future› und sie zeigen Fotografien, die etwas Geheimnisvolles an sich haben. Dies liegt nicht zuletzt an einem speziellen Verfahren, das die beiden über Jahre hinweg entwickelt haben. Dabei drucken sie die Fotografien auf dünnem Gampi-Papier – hergestellt aus einer japanischen Pflanze, das anschliessend über Blattgold gelegt und auf einem Träger fixiert wird. Das Blattgold schimmert durch das dünne Papier hindurch und verleiht den Sujets eine ganz eigene, mysteriöse Aura. Auf ihren Fotografien zeigen sie nicht verortbare Landschaften, anonyme Personen mit Schatten in ihren Gesichtern oder mit dem Rücken zu uns. Durch diese Unbestimmtheit neige ich dazu, meine eigene Interpretation des Bildes zu kreieren, meine eigenen Erfahrungen und Erinnerungen darauf zu projizieren. ‹This is you [here]› heisst eine der Serien. Ähnlich, wie ich den Inhalt der Bilder konstruiere, rekonstruiere ich auch das Vergangene. «Wenn wir uns erinnern, sehen wir nicht einfach eine perfekte Entsprechung der Vergangenheit», sagen die beiden Fotografen. «Vielmehr rekonstruieren wir unsere Erinnerungen: Wir kombinieren Dinge, die tatsächlich geschehen sind, mit Dingen, die wir nur so wahrgenommen oder uns vorgestellt haben. Das bedeutet: -Jedes Mal, wenn wir uns an etwas Geschehenes erinnern, ändern wir es.» Wenn ich darüber nachdenke, verhält es sich wohl ähnlich mit meiner Zukunft. Ich visualisiere sie, frage mich, was geschehen wird, male mir Szenarien aus, wie ich darauf reagieren werde. «Im Grunde erinnern wir uns an etwas, das noch nicht passiert ist», meinen Albarrán und Cabrera. Wer weiss, ob die Ausstellung wirklich so war, wie ich sie hier jetzt schildere.

Bis 
12.05.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Bildhalle Schweiz Zürich
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Albarrán Cabrera 01.03.201812.05.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Angel Albarrán
Anna Cabrera
Autor/innen
Giulia Bernardi

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