Arnold Helbling — Bewegliche Malerei

Arnold Helbling · Untitled, No 972, 2018, Acryl auf Leinwand, 94 x 61 cm
 

Arnold Helbling · Untitled, No 972, 2018, Acryl auf Leinwand, 94 x 61 cm

 

Besprechung

Der vor über 25 Jahren nach New York emigrierte Schweizer Künstler Arnold Helbling zeigt in der Ausstellung ‹Moving Fast› in der Galerie Fabian & Claude Walter neue Malereien, die ihn als routinierten Könner seines Fachs verorten.

Arnold Helbling — Bewegliche Malerei

Zürich — Dass die Malerei in den letzten Jahren zu neuer alter Popularität gelangte, ist bekannt. Allerorten thematisieren Ausstellungen die formale und inhaltliche Ausweitung des Traditionsmediums, das lange vor allem noch für den Markt interessant war und immer weniger für den Kunstdiskurs. Auch eine Künstlerin wie Anne Imhof, die mit einer ausufernden Performance im Deutschen Pavillon den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig gewann, verankert ihre eigene Arbeit in der Tradition des minutiös angelegten Gemäldes. So trägt auch sie dazu bei, dass das Nachdenken über die Malerei wieder en vogue ist und dem Diskurs neue Energie eingehaucht wurde. Arnold Helbling (*1961, Brugg) beteiligt sich mit seiner Malerei – und das ist natürlich ebenso legitim – nicht an dieser Ausweitung des Mediums. Stattdessen präsentiert er die neuesten Arbeiten seines über die Jahre gewachsenen stringenten Œuvres zum Verkauf in der Galerie Fabian & Claude Walter. Die überwiegend im letzten Jahr entstandenen Malereien lassen sich deuten und betrachten als Fortführung einer früh entwickelten und immer im Blick behaltenen Idee des Künstlers: der Aufarbeitung relevanter persönlicher Momente und Begegnungen in zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion oszillierenden Werken. Mal scharf gestellt auf klar erkennbare Details, wie zum Beispiel den Flutlichtmast eines Stadions, mal sich verflüchtigend in abstrakte Farb- und Formfelder, die eine konkrete Verortung schwieriger machen. Die Bilder der Ausstellung sind vor allem von zwei Themen und Motiven geprägt, die mal nur angedeutet, mal deutlich zum Vorschein kommen: Wiederkehrende Sujets sind die Architektur, bspw. mit Referenzen zu Gebäuden von Zaha Hadid und Darstellungen einer Achterbahn, zum anderen Teilverse eines wegweisenden Werks der abstrakten Poesie: ‹The Waste Land› von T. S. Eliot von 1922. Das Gedicht des britischen Dichters ist für Arnold Helbling ein wichtiger Bezugspunkt. Es findet in den neuen Bildern zwar das erste Mal den Weg in seine Kunst, wird vom Künstler aber jeden April, dem laut Gedicht «bösesten aller Monate», aufs Neue gelesen. Und so schlägt er eine interessante konzeptionelle Brücke zu seiner Maltechnik: Helbling trägt die Farbe niemals direkt auf die Leinwand auf, sondern zuerst auf eine Acryl-folie, die dann in einem nächsten Schritt auf die Leinwand gelegt und durchgedrückt wird. Auch das wiederholte Lesen des Gedichts im April jeden Jahres kann verstanden werden als eine immer wieder neu aufgelegte Folie auf die Gegenwart: unser wüstes Land.

Bis 
28.04.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Arnold Helbling 16.03.201804.05.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Arnold Helbling
Autor/innen
Mathis Neuhaus

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