Balthasar Burkhard — Wenn Fotografie Kunst wird

Balthasar Burkhard, ohne Titel (Richard Serra, Splash Piece), Bern 1969, J. Paul Getty Trust.Getty Research Institute, Los Angeles (15_BalthasarBurkhard)
 

Balthasar Burkhard, ohne Titel (Richard Serra, Splash Piece), Bern 1969, J. Paul Getty Trust.
Getty Research Institute, Los Angeles (15_BalthasarBurkhard)

 

Besprechung

Balthasar Burkhard ist einer der bedeutendsten Schweizer Fotografen. Mit seiner Arbeit emanzipierte er sich von der Rolle des Chronisten zu der des Künstlers und positionierte das Medium Fotografie als eigenständige Kunst. Nun widmen ihm das Fotomuseum und die Fotostiftung eine Retrospektive.

Balthasar Burkhard — Wenn Fotografie Kunst wird

Winterthur — ‹Schulreise› von 1952 heisst die erste fotografische Arbeit des damals achtjährigen Balthasar Burkhard (1944–2010). Sein Vater gab ihm eine einfache -Kamera mit auf den Ausflug, mit der Ermahnung, Telefonmasten nach Möglichkeit auf den Fotografien nicht prädominieren zu lassen. Obwohl er den gut gemeinten Rat seines Vaters nicht befolgte, wurde die Schulreise zum Ausgangspunkt seines Werdegangs. Zwischen 1961 und 1964 absolvierte er eine Lehre bei Kurt Blum. Gemeinsam mit anderen Fotografen wie Jakob Tuggener versuchte Blum, die Schweizer Fotografie vom Vorbild diverser Nachkriegsbewegungen zu lösen und ihr eine neue Dynamik zu verleihen. Damals fertigte Burkhard Porträtserien und Fotodokumentationen an. Bereits als Lehrling bewegte er sich in der lebendigen Berner Kunstszene. Auf einer Kleinbildkamera hielt er das Leben der Boheme fest und begann Ende der Sechzigerjahre für den charismatischen Harald Szeemann zu fotografieren, der von 1961 bis 1969 die Berner Kunsthalle leitete. Mit seinen polarisierenden Ausstellungen wollte Szeemann den White Cube öffnen, der künstlerische Arbeiten systematisch von ihrem Entstehungsprozess isoliert. Mit ausgewählten Künstlern nahm der Kurator Orte performativ in Besitz. Die prozessorientierten und vergänglichen Handlungen und Installationen wurden von Burkhard festgehalten. Lange nahm Burkhard die Rolle des Fotografen so ein, wie Charles Baudelaire sie definiert hätte: als Dokumentarist, gar als Diener der Kunst. Doch ähnlich wie Szeemann damals dem künstlerischen Prozess zur Emanzipation von seinem Endprodukt verhalf, tat Burkhard dies mit seiner Arbeit. 1983 stellte er in der Kunsthalle Basel mehrere grossformatige Tableaus aus, darunter die mehrteilige -Fotoinstallation ‹Das Knie›. Die dunkle Tonwertskala, die Hängung der Bilder und -deren monumentale Grösse verliehen dem körperlichen Sujet einen skulpturalen, gar architektonischen Charakter. Mit der Ausstellung sprengte Burkhard den Rahmen der herkömmlichen Fotografie, die zur damaligen Zeit nicht als eigenständige Kunst angesehen wurde und meist im Kleinformat praktiziert wurde. Neben anderen Arbeiten ist nun auch die Serie ‹Das Knie› im Fotomuseum Winterthur zu sehen. Wie eine Landschaft scheint Burkhard die menschliche Anatomie mit seiner Linse zu erforschen. So stehen die Knie heute im Raum wie damals die Telefonmaste in der Landschaft. 

Bis 
21.05.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Fotomuseum Winterthur Schweiz Winterthur
Fotostiftung Schweiz Schweiz Winterthur
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Balthasar Burkhard 10.02.201821.05.2018 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Giulia Bernardi
Künstler/innen
Balthasar Burkhard

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