Basels Picasso-Story

Kunst.Geld.Museum, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel, 2018; im Vordergrund Fotografie von Kurt Wyss, im Hintergrund Pablo Picasso ‹Venus und Amor› und ‹Das Paar› (v.l.n.r.)
 

Kunst.Geld.Museum, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Basel, 2018; im Vordergrund Fotografie von Kurt Wyss, im Hintergrund Pablo Picasso ‹Venus und Amor› und ‹Das Paar› (v.l.n.r.)

 

Direktor Josef Helfenstein zwischen einer Fotografie von Kurt Wyss und den Picasso-Bildern ‹Zwei Brüder› und ‹Sitzender Harlekin› © ProLitteris. Foto: Julian Salinas
 

Direktor Josef Helfenstein zwischen einer Fotografie von Kurt Wyss und den Picasso-Bildern ‹Zwei Brüder› und ‹Sitzender Harlekin› © ProLitteris.
 Foto: Julian Salinas

 

Hinweis

Basels Picasso-Story

Basel — Die Geschichte ist zu gut, als dass man sie nicht noch einmal erzählen könnte. Der Absturz einer Maschine hatte den Hauptaktionär der Basler Globe Air in Bedrängnis gebracht und ihn bewogen, langjährige Museumsleihgaben zu veräussern. Das Vorkaufsrecht des Kunstmuseums war Verhandlungssache und nur mit einer Volksabstimmung einlösbar – die Freigabe des Sonderkredits von CHF 6 Millionen setzte allerdings CHF 2,4 Millionen von privater Seite voraus. Mit dem Ja der Bevölkerung zu ihrem Picasso im Dezember 1967 ging das «Wunder von Basel» national und international durch Zeitungen und über Fernsehbildschirme. Picasso gehört Basel und Basel gehört Picasso: Beeindruckt vom Bekenntnis der Stadt, schenkte der Künstler dem Museum vier weitere Werke, darunter das Bild ‹Homme, femme et enfant›, 1906, das schon damals in der Sammlung als modernes Pendant zu Holbeins Familienporträt aufschien. Picasso steht nicht im Mittelpunkt bei der Rückschau auf die Ereignisse, die 1967 die ganze Stadt zu Solidarität und zum Sammeln aufrüttelten. Zwar sind die Bilder da. Doch es ist, als assistierten sie seitlich einem Stück, das im Wesentlichen dem Museum gilt und dessen Selbstverständnis als einer Institution, die qualitative Höchstansprüche mit grosser Transparenz paart. ‹Kunst. Geld. Museum› nimmt die ‹Picasso-Story› zum Anlass, die Verdienste der Bürgerinnen und Bürger darzustellen, Einsicht zu bieten in die Bedingungen des Sammelns, Teilhabe zu propagieren und nachzuweisen, dass dieses Haus nicht der Ort einer qualifizierten Elite, sondern auch und vor allem ein Raum für Austausch und Fragen sei. So probt das Museum eine Kunst des Erzählens, die – mehrstimmig aus Protokollen, Fotografien, aktuellen Einschätzungen und Originalen gefügt – mehrere Leseweisen zulässt: Man kann per Tablet den Basler ‹Harlequins› am Bettlerfest folgen oder die lange Liste der Spender/innen nach Monogrammen und Firmennamen absuchen. Man kann im Medienecho die kontroverse Diskussion um den Wert von Kunst nachlesen und im Schwarzweissfoto den Dresscode bei damaligen Vernissagen einsehen. Interviewmitschnitte über organisatorische und strategische Rahmenbedingungen der heutigen Sammlungspolitik sind abrufbar, ein Sprecher mimt auf Flachbildschirmen den Reporter von damals und collagiert die Story auf seine Weise: Anekdotisches ist ungefährlich und Unterhaltung im Museum kein Fremdwort mehr – auch nicht in Picassos Nachbarschaft. 

Bis 
12.08.2018

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