Liz Craft — LA Subculture Meets NY Subway

Liz Craft · Cavern, Truth & Consequences, Genf, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter
 

Liz Craft · Cavern, Truth & Consequences, Genf, 2018 (Ausstellungsansicht). Foto: Annik Wetter

 

Besprechung

Die kürzlich aus dem weiten, sonnigen Kalifornien in das trübsinnige New York übersiedelte Liz Craft verarbeitet den kulturellen Schock in abgründigen Arbeiten, die an Verliese und Grotten des 17. Jahrhunderts mahnen. Diese werden aktuell in der Galerie Truth & Consequences in Genf gezeigt.

Liz Craft — LA Subculture Meets NY Subway

Genf — Jede Stadt hat eine andere, oft unerwartete und absonderliche Wirkung auf die bildgenerierende Fantasie. Nicht die Sehenswürdigkeiten anderer Orte, bei denen es sich im Medienzeitalter zwangsläufig meist nur um Déjà-vu-Erlebnisse handelt, sind so ohne Zweifel das Bewegende, wenn wir über Kontinente und Ozeane ziehen, sondern wie sich unser Unterbewusstes neu ordnet, indem es die alten persönlichen Erinnerungen mit den neuen alltäglichen Erfahrungen mischt. Den neuesten in der Galerie Truth & Consequences ausgestellten Arbeiten der Bildhauerin Liz Craft (*1970), die für ihren an die Hippiekultur anknüpfenden traumtänzerischen und handwerklichen Ansatz bewundert wird, ist der Umzug von LA nach NY nun so geradeheraus abzulesen, als könnten wir uns in den von ihr neu geknüpften Synapsen selbst aufhalten. Viel mehr als über Kunst an und für sich sprachen wir an der Vernissage übrigens auch über die Frage, wie man mit Mann und Kindern statt in einem geräumigem Haus mit einem Auto vor der Tür plötzlich zwischen einer Einraumwohnung und einem Gemeinschaftsatelier nur mehr zu Fuss unterwegs lebt und arbeitet. Auf das dazu unvermeidliche Bewegen im Labyrinth der U-Bahn in Manhattan  und die dort allgegenwärtigen Überwachungskameras spielt dabei einer der Hexenspiegel an, den Liz Craft in eine Keramikkachelsprechblasen über Eck eingefügt und in der Galerie so just unter der Decke aufgehängt hat, dass der gesamte Ausstellungsraum darin auf einen Blick erfassbar ist. Auf weiteren -Keramikbildersprechblasen wachsen Stalaktiten hinunter. Die von ihr mitgebrachten Spinnen aus Elektrokästchenrümpfen und Keramikkettenbeinen sind dagegen erst bei der Installation zu Tintenfischen mit baumelnden Gliedern mutiert. In einer weiteren erst in Genf aus Pappmaché gefertigten Sprechblase nimmt ein solches Tier durch aus Modeheften auf den Kopf geklebte Augenpaare sogar sirenenhafte Züge an. Und im Back Office hängt zum Schluss nochmals eine Sprechblase, in die ein Metallschränkchen eingebaut ist, dessen Tür jedoch vermurkst wirkt. Faszinierend, wie die nie ganz heimliche, aber eher an das bunte Land des Zauberers von Oz erinnernde Welt von Craft in New York plötzlich nicht nur feucht, dunkel und schwer geworden ist. Der Umzug hat bei ihr in barocker Untergrundarchitektur wie die Grotten und Wasserspiele in den Gärten der Medici oder die Verliese Piranesis auch andere Orte der Fantasie aufleben lassen!

Bis 
12.05.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Cavern 23.03.201812.05.2018 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Künstler/innen
Liz Craft
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier

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