Luc Mattenberger & Max Philipp Schmid — Collisions

Max Philipp Schmid · Membran, 2018, 3-Kanal-Videoinstallation, 11 Min., Loop , Installationsansicht Nidwaldner Museum Stans. Foto: Christian Hartmann

 

Luc Mattenberger · We Only Got Two Lives, 2018, Stahl, Holz, Flachbildschirm, Tonanlage, LCD-Monitor, Mikrocontroller, Schaumstoffe, 205 x 265 x 92 cm, Installationsansicht Nidwaldner Museum Stans. Foto: Christian Hartmann

 

Besprechung

In einer nachdenklich stimmenden Doppelausstellung begegnen sich die zwei sehr unterschiedlichen Künstler Max Philipp Schmid und Luc Mattenberger. Als gemeinsamer Nenner -ihrer Werke kristallisieren sich die «Kollisionen» heraus, die der -zeitgenössischen Lebenswelt inhärent sind.

Luc Mattenberger & Max Philipp Schmid — Collisions

Stans — Die Widersprüchlichkeit unserer Zeit, die medial allgegenwärtig auf uns einrieselt, wirkt in künstlerisch verdichteter Form nachhaltig denkwürdig. Dies ist derzeit im Nidwaldner Museum in Stans erfahrbar, wo der Basler Experimental-filmer Max Philipp Schmid (*1962) und der Genfer Objekt- und Installationskünstler Luc Mattenberger (*1980) in einer Doppelschau zu sehen sind. Organisiert hat diese zunächst kühn anmutende Begegnung Patrizia Keller, Kuratorin und stellvertretende Leiterin in Nidwalden, zusammen mit Chantal Molleur von der nomadischen Videoplattform ‹White Frame› aus Basel. Die titelgebenden ‹Collisions› manifestieren sich dann aber weniger in der Kombination der zwei sehr unterschiedlichen Positionen als vielmehr eben in den konfliktreichen Inhalten, die beide behandeln. Schmid präsentiert als eine Art Trilogie zum Thema der zeitgenössischen Infil-tration die Filme ‹Das Gespenst des Glücks› von 2011, ‹Paradies› von 2015 sowie die neue, aufwändige Mehrkanalprojektion ‹Membran›: Inmitten eines Leinwanddreiecks stehend, das drei isolierte, laut denkende Protagonisten zeigt, hört man, dass «ökonomische Gesetze gelten wie Naturgesetze, denen man auch nicht entgehen kann». Darauf klingt es wie Hohn, wenn «Lebenswille und Optimismus» als «Schlüssel zu -einem langen Leben in Selbstbestimmung» zitiert werden. Atmosphärisch eindringlich zeigt Schmid, wie die zahlreichen auf uns einwirkenden Ideologien, Machtstrukturen, Bedrohungen und Verheissungen zu Zwangsaktionismus oder Lähmung führen. Mattenberger, dessen Arbeit oft von maschinell kühler Ästhetik geprägt ist, befragt in seinen neusten Werken die Achtsamkeit als Heilsversprechen gegen die überreizte Welt. Benutzbare Objekte aus Pritschen, Monitoren und Lautsprechern muten an wie medizinische Anlagen oder Folterinstrumente, versprechen aber Entspannung mit Meditationstexten, die digital in Bild und Ton überführt wurden. Zu viel Konsum der wummernden Klänge und unifarbenen Tiefenräumlichkeit kann allerdings, wie der Künstler bestätigt, ähnlich verheerend wirken wie sensorische Deprivation. An anderer Stelle veranschaulicht Mattenberger in ironischer Brechung mit -einem überdimensionierten, motorisierten Weihrauchgefäss den irrwitzigen Parallelismus von Gott- und Technikgläubigkeit. Solch humorvolle Momente lockern die Beklemmung über die scheinbar unlösbaren Diskrepanzen der Gegenwart auf, die Mattenberger und Schmid seismografisch präzise aufzeigen. 

Bis 
20.05.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Max Philipp Schmid & Luc Mattenberger - Collisions 09.03.201820.05.2018 Ausstellung Basel
Schweiz
CH

Werbung