Marc-Antoine Fehr — Ein intelligenter Komponist

Marc-Antoine Fehr · The Kingdom of Death, 2016, Öl auf Leinwand. 203 x 293 cm. Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zürich
 

Marc-Antoine Fehr · The Kingdom of Death, 2016, Öl auf Leinwand. 203 x 293 cm. Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zürich

 

Besprechung

Malerei als Selbsterfahrung und Bühne des Denkens: Das Kunstmuseum Olten präsentiert den Maler Marc-Antoine Fehr in einer ersten grossen Einzelausstellung. Zu sehen ist ein Werk, das einfach scheint und doch sehr vielschichtig ist - ein raffiniertes Spiel auf veschiedenen Ebenen. 

Marc-Antoine Fehr — Ein intelligenter Komponist

Olten — Ausschnitte aus Selbstporträts, Tiere, Möbel, Haushaltsobjekte: Die kleinformatigen Bilder, die in einer Art Fries durch die Ausstellung «vagabundieren», halten das Alltägliche fest, das Gewöhnliche, das, was unmittelbar mit der Erfahrung des Lebens verbunden ist. Im Farbauftrag etwas grob, wirken sie, als habe der Künstler hier rasch mit dem Pinsel festgehalten, was ihn umgibt und umtreibt. Kunst erscheint hier ganz direkt als eine Geste der Selbstvergewisserung, der Lebensbefragung. Diese Form der Hängung, welche die kleinformatige Serie locker durch die Räume zieht, betont das Journalhafte der Arbeiten. Die Kleinformate wirken wie eine Art Begleitmusik zu den grossen Bildern, die sehr reiche, vielfältige Bildräume öffnen. Marc-Antoine Fehr (*1953, Zürich), Spross einer Künstlerfamilie (auch Grossvater Charles Clément und Mutter Marie-Hélène Clément malen), in Zürich aufgewachsen, im Burgund lebend, hat sich einen eigenen, von Malerei bestimmten Kunstkosmos erschaffen. In seinen Jugendjahren von der Pop-Art und den jungen Wilden inspiriert, hat er eine figurative Malerei entwickelt, die einfach scheint und dennoch sehr facettenreich und vielschichtig ist. Virtuos variiert er nicht nur Malgestus und Pinselführung, mal locker expressiv wie in den bereits genannten Kleinformaten, in denen er Alltägliches festhält, mal altmeisterlich elaboriert. Fehr ist zudem ein intelligenter Komponist seiner Bildsujets, die wie rätselhafte Bühnenbilder wirken, verlockend und abweisend zugleich. ‹The Kingdom of Death›, 2016, beispielsweise bietet eine Szenerie, in der sich Elemente einer Westernstadt mit antiken Ausgrabungsstätten und Relikten früher Hochkulturen zu verbinden scheinen. Über einem offenbar von gigantischen steinernen Wächtern gesäumten Eingang breitet sich ein enormes, blassfarbiges Bild oder Fresko aus, das das gesamte Gemälde beherrscht und ein leicht abstrahiertes Figurenensemble zeigt, das in kaum erklärlicher Weise miteinander verkettet ist. Auf eine sehr visuelle, etwas märchenhaft getönte Weise spricht Fehr in Arbeiten wie dieser Fragen nach dem ernsten Spiel des Lebens, seinen Regeln, seinen Möglichkeiten an. In diesem wie in vielen anderen Gemälden treibt der Künstler ein raffiniertes Spiel, indem er verschiedene Ebenen des Fiktiven in einem Bild ausgestaltet, Spiegelungen und Bilder im Bild, die darauf verweisen, dass die gemalte Oberfläche des Bildes nicht alles ist. Dort, wo sie aufhört, fängt das Denken an.

Bis 
13.05.2018
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Marc-Antoine Fehr: «Renaissance» 24.02.201813.05.2018 Ausstellung Olten
Schweiz
CH
Künstler/innen
Marc-Antoine Fehr
Autor/innen
Alice Henkes

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