Paul Viaccoz

Paul Viaccoz · Boîte de jeux 1. Les Tanks, 2014–2015, Gemälde und Objekte, Öl, Acryl,14 x 40 x 60 cm. Foto: J. Bélat  
 

Paul Viaccoz · Boîte de jeux 1. Les Tanks, 2014–2015, Gemälde und Objekte, Öl, Acryl,
14 x 40 x 60 cm. Foto: J. Bélat  

 

Paul Viaccoz · Paysage et mer, 69°19'15.05"N 32°48'14.97"E, Öl auf Leinwand, 2016, 140 x 120 cm. Foto: J. Bélat
 

Paul Viaccoz · Paysage et mer, 69°19'15.05"N 32°48'14.97"E, Öl auf Leinwand, 2016, 140 x 120 cm. Foto: J. Bélat

 

Hinweis

Paul Viaccoz

Moutiers — In Genf, wo er lange gelebt und gelehrt hat, hat sich Paul Viaccoz (*1953) einen Platz in der Kunstwelt erarbeitet. Seit 2014 ist er in Courroux im Jura zu Hause. Eine dunkle und zugleich faszinierende Ausstellung im Musee jurassien des Arts lädt dazu ein, diesen Künstler zu entdecken. Dräuend bewegte Himmel, dunkle Wälder und Wasserwelten wie tiefe Abgründe. In den grossformatigen Ölbildern von Paul Viaccoz flammt ein uraltes Thema menschlichen Räsonnierens und Phantasierens auf: Die Natur als feindlicher Raum, als Bedrohung. Diese Vorstellung von der Natur scheint aus vormodernen Zeiten zu kommen, aus einem magischen Denken, das in jedem Sturm, jedem Donner Faust und Atem zürnender Gewalten wähnt. Auch wenn heute Luftdruckmessungen die Vorstellung von überirdischen Wolkenbewegern verdrängt haben, so funktioniert das Bild einer dunklen, einer feindlichen Natur doch immer noch, wenn es gilt, existenzielle Gefühle und Erfahrungen zu machen. In diesem Sinn verwendet auch Viaccoz seine grossformatigen, dunklen Landschaften. Im Neubausaal des Musée bilden die Bilder gleichsam eine Art Bühnenprospekt. Im Zentrum der Ausstellung stehen lange Tische, auf denen Viaccoz eine stattliche Anzahl von Objekten installiert hat: die Maquette eines kleinen, sparsam eingerichteten Raums, Ausschnitte aus Seekarten, Bootsmodelle, hübsch garnierte Konfekttüten mit kleinen Soldaten und Bomben aus Schokolade, Gasmasken, Spielsteine. Objekt für Objekt entwickelt sich auf diesen Tischen ein Drama. Die als Gesamtinstallation lesbare Ausstellung ‹La Censure des messages› bezieht sich auf das russische Atom-U-Boot Kursk, das im Jahr 2000 in der Barentssee sank. Aufgrund technischer Probleme und mangelnder Kommunikationsbereitschaft der russischen Regierung begannen die Bergungsarbeiten zu spät, alle Besatzungsmitglieder des U-Boots kamen ums Leben. Viaccoz nimmt diese reale Tragödie und macht sie mithilfe von Texten, Objekten, Bildern zum Ausgangspunkt einer Reflexion über Schiffbruch und Schicksal, die menschliche Ohnmacht vor den Elementen – natürlichen ebenso wie politischen – und die Verletzlichkeit des Einzelnen. Aus den düster-ästhetischen See- und Wolkenstücken in Öl und dem Mosaik der Objekte entsteht eine Art Memento Mori, in dem sich immer wieder neue Aspekte entdecken lassen, ernste, bedrückende, aber auch durchaus skurrile, wie etwa ein kleiner Koffer mit den Seelen der verstorbenen Seemänner, der auf die Hoffnung mancher Mediziner des 19. Jahrhunderts verweist, die Seele und damit die Essenz des Lebens lasse sich dingfest machen und in Gramm und Unzen wiegen.

Bis 
13.05.2018
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Paul Viaccoz 10.03.201813.05.2018 Ausstellung Moutier
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Paul Viaccoz

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