Seitensprünge — Kunst und Krempel in der Langmatt

Links und rechts: Weinregale. Mitte: Paul Cézanne · Bäume und Felsen im Park des Château Noir,ca. 1904, 92 x 73 cm, Museum Langmatt
 

Links und rechts: Weinregale. Mitte: Paul Cézanne · Bäume und Felsen im Park des Château Noir,
ca. 1904, 92 x 73 cm, Museum Langmatt

 

Vorne: Absperrungen. Hinten: Edgar Degas · Weiblicher Akt, ca. 1885/86, Pastell auf Karton, 70 x 71 cm, Museum Langmatt
 

Vorne: Absperrungen. Hinten: Edgar Degas · Weiblicher Akt, ca. 1885/86, Pastell auf Karton, 70 x 71 cm, Museum Langmatt

 

Besprechung

Impressionisten sind teure Blockbuster. Ein Klischee? Die Langmatt paart kostbare Gemälde mit Krempel aus dem hauseigenen Keller. Picknickkörbe und Weingestelle gesellen sich zu -edler Kunst, auf dass sich ein neuer Blick einstelle. Und ermuntern dazu, Wert und Wertschätzung neu zu verhandeln.

 

Seitensprünge — Kunst und Krempel in der Langmatt

Baden — Fragt einer: Was ist denn ein Bild wert, wenn man nicht weiss, wie viel es kostet? Der Spott, der sich über kapitalkräftige Sammler/innen ergiesst, die ihren Kunstgeschmack einzig am Preis festmachen, ist ein Dauerbrenner. Mehr noch: Wer eine Ausstellung besucht, klebt mit der Nase schnell einmal am Namensschild und nickt anerkennend, wenn Monet oder Renoir draufsteht. Aber gefällt das Werk auch? Berührt es? Hat es mit unserer Gegenwart (noch) zu tun? Diesen Fragen geht Direktor Markus Stegmann in Museum Langmatt nach, indem er die Impressionisten gewissermassen vom Sockel stösst und ihnen Krempel aus dem Keller der Villa beigesellt.Low wird mit High kombiniert, Hässliches mit Kostbarem. ‹Seitensprünge›, so der Titel der Schau, zeigt etwa zwei schmiedeiserne, furchteinflössende Weingestelle, die Cézannes ‹Château Noir› sozusagen ins Schwitzkästchen nehmen. Der Gedanke an millionenteure Gemälde, die in einem Tresor ihr Dasein fristen, drängt sich sofort auf. In einem weiteren Raum leisten vor Degas’ Frauenakt dicht gestellte Absperrungen – rote Kordel, poliertes Messing – sozusagen Aktuelles zur #Me too-Debatte. Man(n) ist gewarnt: Berühren verboten. «Ich möchte Irritation und Überraschung schaffen», betont Stegmann. Dass die als Pyramide im Keller aufgefundenen Picknickkörbe wie Objets trouvés konge-nial zu Gauguins Früchteschale passen oder dass die mit Flachmalerfarben gefüllten Marmeladegläser aus dem Brown’schen Hobbyraum Pisarros Maltechnik konterkarieren, zeigt Kunst lebensnah. Darüber hinaus wirft die Schau die Frage auf, ob die ins Astronomische gewachsenen Preise für Impressionisten gleichzeitig die inhaltliche Wertschätzung steigern. Darüber diskutierte eine hochkarätige Expertenrunde neulich gleich vor Ort. «Fakt ist», so Dieter Schwarz, ehemaliger Direktor des Kunstmuseums Winterthur, «dass mit grossen Namen immer noch schlechte wie gute Ausstellungen gemacht werden». Barbara Basting, Leiterin Bildende Kunst der Stadt Zürich, plädiert für den individuellen Zugang zur Kunst: Wenn es einen packt, soll man davor verweilen – Kunstkanon hin oder her. Und Dirk Boll, Präsident Christie’s Europa und Asien, ergänzt: «Alles richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Wo Kapital im Überfluss vorhanden ist, wird auch bezahlt – aktuell in China.» Glücklich, wer die Impressionisten nicht im Reich der Mitte, sondern in Baden findet.

Bis 
13.05.2018

 

 
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Autor/innen
Feli Schindler

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