Urbane Visionen — Afrikanische Städte im Fokus

Sammy Baloji und Filip De Boeck · The Tower. A Concrete Utopia, 2015 (Videostill)

 

Sammy Baloji · The Tower, 7th street, Quartier industriel, municipality of Limete, 2015 (Fotografie)

 

Besprechung

Utopische Science-Fiction und archäologische Rekonstruktion kennzeichnen das aktuelle Filmschaffen aus Afrika. Das -Videoex Festival widmet ihm anlässlich seines 20-Jahr-Jubiläums ein Programm, das die soziale, politische und kulturelle Ökonomie afrikanischer Metropolen in den Blick nimmt.

Urbane Visionen — Afrikanische Städte im Fokus

Zürich — In der Spätmoderne, schreibt der afrikanische Philosoph und Politikwissenschaftler Achille Mbembe, wird die koloniale Macht von oben ausgeübt. Sie errichtet eine vertikale Architektur der Überwachung und Kontrolle. Der Besetzung des Himmels kommt dabei besondere Bedeutung zu, denn es wird vom Luftraum aus regiert. In diesen Himmel ragt der Turm in Sammy Balojis und Filip De Boecks Videoarbeit ‹The Tower. A Concrete Utopia›, 2015. Er steht inmitten des Industriegebiets von Limete in Kinshasa, als Rohbau eines niemals fertiggestellten Gebäudes, das dessen Besitzer, ein in aeronautischer Medizin spezialisierter Arzt, allein bewohnt. In ihren utopischen Dimensionen sollte die Architektur Krankenstationen und Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Büros, Konferenzräume und Restaurants auf zwölf Stockwerken beherbergen. Die Kamera folgt dem Arzt in einer Besichtigungstour durch den Turm, der sich über eine Treppe labyrinthisch nach oben schraubt, bis in die Lüfte, von wo aus sich der gesamte Stadtraum Kinshasas überblicken lässt. Hier sollten die Menschen Schutz und Zuflucht finden, sich erholen und kurieren von den Lebensbedingungen da unten. Es ist eine urbane Utopie, die im Entwurf einer neuen humanistischen Gesellschaft das Erbe vertikaler Souveränität verwaltet. Wie lässt sich eine mögliche Zukunft Afrikas aus den Trümmern der kolonialen Moderne neu erfinden? ‹The Tower› ist im diesjährigen Programm des Videoex Festivals zu sehen, dessen Schwerpunkt dem künstlerischen Filmschaffen in Afrika gilt. Der Fokus liegt auf den Städten Lagos, Dakar, Johannesburg, Kinshasa, Lubumbashi und Luanda, denen thematisch kuratierte Programme mit Filmen von Jude Anogwih, Jelili Atiku, Djibril Diop Mambéty, Mati Diop, William Kentridge, Emeka Ogboh u. a. gewidmet sind. Ein vielstimmiges Panorama des urbanen Lebens unter dem Eindruck kolonialer und postkolonialer Erfahrung entsteht. Dabei wird die Stadt zum Ort, an dem sich die archäologische Bergung von Resten der Geschichte mit dem Entwurf einer anderen Zukunft Afrikas verbindet. Anlässlich seines 20-Jahr-Jubiläums präsentiert das Videoex Festival ausserdem eine Auswahl der besten Festivalbeiträge sowie der Gewinner/innen des CH-Wettbewerbs. Daneben sind die Künstlerinnen Pauline Boudry und Renate Lorenz im CH-Fokus sowie Filipa César und Salomé Lamas im internationalen Spezialprogramm mit aktuellen Arbeiten vertreten. Das vollständige Programm wird am 5. Mai aufgeschaltet.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Videoex 26.05.201803.06.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Fabienne Liptay

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