Women und The Female Touch

Meister vom Heiligen Blut · Maria mit Kind in architektonischer Rahmung, um 1520, Öl auf Holz, 44,4 x 35,5 cm. Foto: SIK-ISEA/Philipp Hit
 

Meister vom Heiligen Blut · Maria mit Kind in architektonischer Rahmung, um 1520, Öl auf Holz, 44,4 x 35,5 cm. Foto: SIK-ISEA/Philipp Hit

 

Candice Breitz · Becoming Julia, 2003, aus der Serie ‹Becoming Video›, Videostill, Kunstmuseum St. Gallen
 

Candice Breitz · Becoming Julia, 2003, aus der Serie ‹Becoming Video›, Videostill, Kunstmuseum St. Gallen

 

Hinweis

Women und The Female Touch

Winterthur — Frauen stehen in Winterthur hoch im Kurs. Die Kunsthalle zeigt in diesem Jahr ausschliesslich Künstlerinnen. Auch das Kunst Museum Winterthur hat zwei Einzelausstellungen mit Katinka Bock (→ KB 3/2018) und Karin Sander (8.9. bis 18.11.) im diesjährigen Programm. Zudem werfen die beiden Häuser Beim Stadthaus und Reinhart am Stadtgarten einen Blick zurück in die Kunstgeschichte und in die eigenen Sammlungsbestände. Die Doppelausstellung ‹Women – Frauenbilder durch die Jahrhunderte› und ‹The Female Touch› befassen sich mit dem Frauenbild in der Kunst. Ob abgebildet als Heilige, Porträt, Akt oder Figur einer Genredarstellung – die Darstellung des Weiblichen entsprach in der Regel einer männlichen Sichtweise bzw. männlichen Phantasien, denn Künstlerinnen genossen über Jahrhunderte hinweg «Seltenheitswert». Die Kuratoren Konrad Bitterli (zugleich Direktor Kunst Museum Winterthur) und Andrea Lutz haben einen Parcours zusammengestellt, der bei spätmittelalterlichen Madonnenbildern beginnt, an gutbürgerlichen Porträts und mythologischen Interpretationen des 19. Jahrhundert vorbei zu den sinnesfreudigen Akten der Fin-de-Siècle-Künstler Henri Toulouse-Lautrec, Félix Vallotton und Pierre Bonnard führt, die hinsichtlich des Verhältnisses von Künstler und Motiv (Distanziertheit versus Vertrautheit) unterschiedlicher nicht sein könnten. Werke von aktuellen Künstlerinnen wie Candice Breitz, Maria Eichhorn, Sylvie Fleury, Nan Goldin, Pipilotti Rist und Olga Titus relativieren die historisch bedingte Dominanz männlicher Urheberschaft. Auffällig ist, wie die gezeigten Werke zwischen den Klischees «Heilige» und «Hure» pendeln und mehrheitlich auf die junge Frau fokussieren. Die Frau im beruflichen Kontext (wie bspw. die Diakonissin in Ankers ‹Kinderkrippe›) und das Alter (eindrücklich dargestellt in ‹La Vecchia› von Giovanni Giacometti) fallen durch dieses Raster.
In Ergänzung zu ‹Woman›, quasi als Show in the Show, hat Sonja Remensberger unter dem Titel ‹The Female Touch› eine Auswahl von Porträtminiaturen zusammengestellt. Die Exponate stammen hauptsächlich aus der Sammlung Emil S. Kern und bestechen durch minuziöse Wiedergabe, Schmelz und Gefühlstiefe. Eines der Highlights stammt aus der Hand der berühmten venezianischen Künstlerin Rosalba Carriera aus dem 18. Jahrhundert. Des Weiteren empfiehlt es sich, im Museum Beim Stadthaus die dritte, ganz dem weiblichen Schaffen gewidmete Ausstellung ‹Räume besetzen – Werke von Bildhauerinnen› zu besuchen, wo neben Werkgruppen von Heidi Bucher, Isa Genzkens, Rita McBride und Ruth Vollmer auch einzelne Arbeiten von Germaine Richier und Meret Oppenheim zu sehen sind.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Women 24.02.201817.06.2018 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH

Werbung