Changing Impressions

Luo Mingjun · Gratter la nuit, 2018, Kohlezeichnung, 100 x 70 cm

Luo Mingjun · Gratter la nuit, 2018, Kohlezeichnung, 100 x 70 cm

Qiu Jie, Da Zi Bao · Work in progress, Bleistift auf Papier, 80 x 60 cm

Qiu Jie, Da Zi Bao · Work in progress, Bleistift auf Papier, 80 x 60 cm

Hinweis

Changing Impressions

Interlaken — Chinesische zeitgenössische Kunst ist seit Uli Siggs Sammlungspräsentationen in Bern 2016 bei uns immer häufiger zu sehen. Letztes Jahr zeigte das Kunsthaus Interlaken ‹Changing Impressions – traditionelle Tuschemalerei aus China› von an chinesischen Hochschulen lehrenden Professoren. Damals war es dem ambitionierten Leiter Heinz Häsler nicht vergönnt, gleichzeitig chinesische Avantgardekünstler auszustellen. Nun holt er dies nach: Für ‹chinese art today› hat er vier Kunstschaffende versammelt, die in den Sechzigerjahren in China geboren sind und seit vielen Jahren auch in der Schweiz bzw. Deutschland leben. Einzig Tang Nannan, der auf der Biennale Venedig 2017 im Länderpavillon China zu sehen war, lebt in Xiamen. Die Künstler gehören einer chinesischen Avantgardekunst an, die mal mehr, mal weniger verklausulierte Kritik an den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen formuliert. Tang Nannan arbeitet mit Video und Fotografie, womit er sich in China schon von den Traditionalisten abhebt. Gleichzeitig versteht er es, mit diesen Medien den traditionellen Werten Asiens eine Reverenz zu erweisen. Sein düsteres Video ‹Billenium Waves› zeigt endlos sich auftürmende, fast schwarze Wasserberge und kann als Hommage an Katsushika Hokusais berühmten Farbholzschnitt ‹Die grosse Welle›, um 1830, verstanden werden. Leben und Werk der anderen, die zwischen hier und China pendeln, sind stärker von einer doppelten Identität geprägt. Von Luo Mingjun sind grossformatige Kohlezeichnungen ausgestellt, bei denen die Künstlerin jeweils auf ein Motiv fokussiert: auf einen Wolkenhimmel, auf ein Streichholz, eine Rednerin oder einen Stuhl. Mit der Technik des Verwischens wird das Motiv vom Grund gelöst, erscheint wie im Nebel eingebettet und von einer Licht­aureole umfangen. Obwohl scheinbar alltäglich, erfährt es eine Entrückung, vielleicht eine Verschiebung in eine erinnerte Welt? Spannend sind die verschiedenen Handschriften und Stile. Qiu Jie ist der Pop Art zuzuordnen, doch welch grosser Unterschied zur amerikanischen! Das Bunte der Konsumwelt bannt er ins Grafit der Bleistiftzeichnungen, als ob sie zu Stein erstarrt wären. Affirmation und Kritik finden sich in den dicht mit Schriftzeichen beschriebenen Blättern nebeneinander. 

Bis 
19.05.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
CHINESEARTTODAY 10.03.201919.05.2019 Ausstellung Interlaken
Schweiz
CH
Autor/innen
Andrea Domesle
Künstler/innen
Qiu Jie
Luo Mingjun
Tang Nannan

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