Denis Savary

Denis Savary · Hanoï I, 2017, Styropor, Holz, Kunstharz, Metall, 110 x 70 x 60 cm, Courtesy Galerie Maria Bernheim. Foto: Annik Wetter

Denis Savary · Hanoï I, 2017, Styropor, Holz, Kunstharz, Metall, 110 x 70 x 60 cm, Courtesy Galerie Maria Bernheim. Foto: Annik Wetter

Denis Savary · Houdini, 2017, Elastomer, Metall u. a. Materialien, Sammlung Jean Pierre Jungo. Foto: Annik Wetter

Denis Savary · Houdini, 2017, Elastomer, Metall u. a. Materialien, Sammlung Jean Pierre Jungo. Foto: Annik Wetter

Hinweis

Denis Savary

La Chaux-de-Fonds — Seltsames tut sich zurzeit im Musée des Beaux-Arts. Am Abgang zum neuen Trakt ist eine Gardeformation aus Granitfiguren aufmarschiert. Akkurat in die Felder des Terrazzobodens postiert, besetzt sie den Raum. Was da den Weg in den Anbau weist, ist von hybrider Kreatürlichkeit: Werke im Werden, an Rohlinge einer Dombauhütte oder den Formenkanon barocker Steinmetzschulen erinnernd. Doch halt! Die fünf Gesellen sind überhaupt nicht steinerner Natur, sondern Konglomerate aus gesprenkeltem Styropor. Auch im rechten Kabinett neben der Rampe steht eine bizarre Figur. Alabasterhaut entpuppt sich hier als Elastomer, als formfester Schaumgummi. Die Kette samt mehreren Schlössern, welche die gnomenhafte Gestalt beengt, erzeugt daher Schmunzeln: Diesem ‹Houdini›, dem Protagonisten der Ausstellung, wird es ein Leichtes sein, der Fessel zu entkommen. Sollten dann noch die Flammen und Sterne auf der grauen Tapete zu flackern beginnen – ein dem örtlichen Krematorium entliehenes Motiv – so wäre auch für Ablenkung gesorgt und die rechtzeitige Flucht vor dem Flammentod sicher. Showmaster dieser Szenen ist der derzeit in Genf und London tätige Denis Savary (*1981), dessen Œuvre ein einziger belebender Streifzug durch die Motivwelt der Kunst- und Kulturgeschichte ist: eigenwillig variiert und kombiniert – und zuweilen poetisch erweitert um still beobachteten Alltag. Letzteres übernehmen in der Ausstellung 23 Videos älteren Datums. Sie verwandeln den Innen- in Aussenraum und entführen mit teils surrealistischem Unterton an magische Orte. Auf leisen Sohlen, um im eingestellten Treppenhaus die drapierten Traumwächter der Werkreihe ‹Eustache› nicht zu wecken, stiehlt man sich fort in den anderen Hauptraum. Gekonnt spielt Savary auch mit dieser architektonischen Scharnierstelle und kehrt die Verhältnisse von Innen und Aussen neuerlich um. Anknüpfend an frühere Werkzyklen wie die Puppenhausinterieurs von 2008, tapeziert er, leicht zu übersehen, wiederum die Wände. Als Rapport dient diesmal das Repertoire seiner Zeichnungen, deren formwandlerische, andeutende Qualität zugleich eine Verbindung mit den beiden blauen Kreaturen in der Raummitte herstellt, die eine tanzend, die andere soeben aus dem All gelandet. Erneut Hybride, Avatare früherer Figuren. Mit seiner modifizierenden Werkpraxis ist Savary wahrlich ein Meister der Wiedererweckung und Verwandlung.

Bis 
02.06.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Denis Savary, Anita Molinero 10.03.201902.06.2019 Ausstellung La Chaux-de-Fonds
Schweiz
CH
Autor/innen
Astrid Näff
Künstler/innen
Denis Savary

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