El Anatsui

El Anatsui · Rising Sea, 2019, Ausstellungsansicht Haus der Kunst. Foto: Maximilian Geuter

El Anatsui · Rising Sea, 2019, Ausstellungsansicht Haus der Kunst. Foto: Maximilian Geuter

Hinweis

El Anatsui

München — ‹Die Haut der Erde› schimmert so kostbar wie unnatürlich, sie wirkt filigran in der Struktur und raffiniert in der Komposition. El Anatsui entwarf die zehn Meter breite Metall-Tapisserie 2007, deren Titel nicht von ungefähr die Verletzlichkeit des Planeten evoziert. Jetzt präsentiert das Münchner Haus der Kunst den ghanaischen Künstler (*1944) als erste Station einer Überblicksschau, die in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern, dem Guggenheim Bilbao und dem Mathaf Arab Museum in Doha entstand – und die bisher umfangreichste Präsentation seines Œuvres ist. Kuratiert wurde die Schau von Okwui Enwezor und Chika Okeke-Agulu. Enwezor holte El Anatsui bereits 2015 auf die Biennale in Venedig (wo er den Goldenen Löwen bekam). Jetzt ist ‹Triumphant Scale› die letzte Ausstellung des ehemaligen Direktors, der sein Amt im Juni 2018 aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte und am 15. März nach schwerer Krankheit starb. Der Titel ist im einstigen ‹Haus der Deutschen Kunst› selbsterklärend. Tatsächlich triumphieren El Anatsuis textil fliessende, diaphane Werke über die steinerne Monumentalität der Architektur, ohne aufzutrumpfen und mit diametral entgegengesetzten Mitteln. So wie die für München erweiterte Vorhang-Installation ‹Logoligi Logarithm›, die sich labyrinthisch durch die über dreissig Meter lange Haupthalle zieht und dem ghanaischen Dichter Atukwei Okai gewidmet ist. Zu sehen sind aber auch frühere Arbeiten: durchbrochene Keramikplastiken, ‹Broken Pots›, sowie Holzreliefs und -skulpturen wie ‹Erosion›, die 1992 während des ersten Klimagipfels in Rio entstand. Um die Jahrtausendwende fand El Anatsui dann buchstäblich im Abfall «sein» Material: Die Schraubverschlüsse leerer Schnapsflaschen. Das Aluminium wird geschnitten, geplättet und von bis zu 120 Mitarbeitern in seinem Atelier im nigerianischen Nsukka zu betörend schönen Geflechten vernäht. Nebenbei reflektieren sie die Tatsache, dass die Spirituosen einst im Austausch für Sklaven nach Afrika kamen. Auch die steigenden Spiegel der Weltmeere macht El Anatsui der Relevanz entsprechend grossformatig zum Thema: in der wandhohen Knüpfarbeit ‹Rising Sea› – acht Meter hoch und 14 Meter breit. Und sei es der monochrome ‹Red Block›, ‹Black Block› oder gar der horizontale ‹Tiled Flower Garden›, das Material ist stets dasselbe, aber Farben, Dichte und Details variieren. Das ist nicht zuletzt auch intelligentes Upcycling – zu Artefakten von überwältigender Pracht. 

Bis 
28.07.2019

→ Haus der Kunst, bis 28.7.; Kunstmuseum Bern, 13.3.–21.6.2020 ↗ https://hausderkunst.de

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
El Anatsui: Triumphant Scale 08.03.201928.07.2019 Ausstellung München
Deutschland
DE
Künstler/innen
El Anatsui
Autor/innen
Roberta, De Righi

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