Flood — Bieler Fototage

Emmanuel Tussore · Study for a soap, 2017

Emmanuel Tussore · Study for a soap, 2017

Lisette Appledorn · Untitled, 2018

Lisette Appledorn · Untitled, 2018

Hinweis

Flood — Bieler Fototage

Biel — Das Programm der Bieler Fototage wurde in diesem Jahr mit besonderer Spannung erwartet. Hatte die neue Direktorin des Festivals Sarah Girard im vergangenen Jahr noch umgesetzt, was ihre Vorgängerin Hélène Joye-Ca­gnard an Ausstellungen bereits vorgespurt hatte, so präsentiert sie jetzt ihr eigenes Porgramm. Sie hat für die 23. Bieler Fototage ein aktuelles Thema gewählt: ‹Flood›. Fluten sind überall. Sowohl die realen Sturmfluten, die Städte und ganze Landstriche überschwemmen und die Diskussion um den Klimawandel antreiben. Als auch die Fluten im übertragenen Sinn: die Informationsflut, die Flut der Nachrichten, in denen oft genug die Bilderflut beklagt wird. Der Schweizer Künstler Augustin Rebetez zeigt ein Video, in dem es überall fliesst und strömt und tröpfelt. Der französische Künstler Emmanuel Tussore baut fragile kleine Häuser aus Aleppo-Seife, die eine Flut leicht in flüchtigen Schaum verwandeln könnte. Und Romain Roucoles, ebenfalls französischer Herkunft, macht die Flut der Bilder, die rund um Ausstellungen in den sozialen Medien anschwillt, greifbar, indem er alle Bilder, die im Zusammenhang mit den Bieler Fototagen gepostet werden, ausdruckt und so eine wahre Papierflut erzeugt. In der ‹Flood›-Ausgabe der Fototage schwimmen jedoch auch zahlreiche Ausstellungen mit, die keinen ersichtlichen Anknüpfungspunkt an das Festival-Motto haben. Die in New York lebende chinesische Künstlerin Pixy Liao zeigt zum Beispiel eine sehr intime fotografische Auseinandersetzung mit ihrem Freund und ihrer Beziehung zu ihm. Die Niederländerin Esther Hovers interessiert sich dafür, wie Überwachungskameras darauf programmiert werden, «abweichendes Verhalten» zu erkennen, und was als «abweichendes Verhalten» gilt. Lisette Appeldorn, gleichfalls aus Holland, fotografiert Menschen, die sich hinter originellen Masken verbergen. Viele der 26 Ausstellungen an elf Orten in der ganzen Stadt sind kaum mit dem Festival-Thema verbunden. Die Bieler Fototage bestätigen damit unter ihrer neuen Leitung einen Trend, der in den letzten Jahren immer stärker geworden ist und der die Frage aufwirft, ob es noch sinnvoll ist, ein auf Vielseitigkeit und Aktualität ausgerichtetes Festival wie die Bieler Fototage unter ein Motto zu stellen und damit bestimmte Erwartungen zu generieren. Ein Leitungswechsel wäre doch ein guter Zeitpunkt, um sich von dieser Praxis zu verabschieden und mehr Offenheit zu schaffen – für eine Flut neuer, interessanter Ausstellungen. 

Bis 
02.06.2019

→ Bieler Fototage 10.5.–2.6.
www.bielerfototage.ch

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