Furk’art — Kunst 2436 Meter über Meer

Das geschlossene und unzugängliche Hotel Furkablick im Winter. Foto: Christof Hirtler

Das geschlossene und unzugängliche Hotel Furkablick im Winter. Foto: Christof Hirtler

Besprechung

Von 1983 bis in die späten 1990er-Jahre waren die Furka-Passhöhe und das Hotel Furkablick ein Labor für künstlerische ­Arbeit mit internationaler und höchst prominenter Beteiligung. Initiant war der Neuenburger Galerist Marc Hostettler. Das Haus für Kunst Uri ruft diese Kunst des Ephemeren in Erinnerung.

Furk’art — Kunst 2436 Meter über Meer

Altdorf — Schwitzende Velofahrer, Soldaten im WK, Auto-Touristen und Bergwanderer treffen sich während der Sommermonate auf der Furka-Passhöhe im Restaurant Furka­blick. Sie ahnen kaum, dass sich hier vor wenigen Jahren Künstlerinnen und Künstler und Befreundete aus aller Welt einfanden, dass in dieser Berglandschaft Kunstwerke erarbeitet und Performances durchgeführt wurden, dass das Hotel Furkablick ein Treffpunkt internationalen Zuschnitts war und dass sich hier heute noch manch ein bedeutendes Kunstwerk befindet. Es begann mit der Schau von James Lee Byars in Marc Hostettlers Galerie Média in Neuenburg 1983. Hostettler lud ihn zu einer Performance auf der Furka ein: In Gold gekleidet «weihte» Lee Byars die Landschaft mit einem Tropfen schwarzen Parfums. In den Folgejahren trafen sich hier Namen wie Marina Abramovic/Ulay, Stanley Brouwn, Per Kirkeby, Roman Signer, John Armleder, Lawrence Weiner, Christoph Rütimann, Ian Anüll, Jenny Holzer und viele mehr. Daniel Buren versah die Fensterläden mit seinen Streifen. Rem Koolhaas gestaltete das Restaurant. Die Künstler/innen realisierten hier ihre Werke – meist unbemerkt vom Tourismusbetrieb, ohne Kunstvermittlung, «Events» und Propaganda. So entstand eine ganz eigene Laboratmosphäre. Besuchende mussten sich auf das Ungewöhnliche, Ephemere, sich Verflüchtigende einlassen. Rascher Zugang war nicht möglich. Gefordert waren Zeit und Ausdauer – auch auf den Wanderungen durch die Landschaft. Hostettler lag jede Betriebsamkeit fern. Es ging ihm um die Kunstschaffenden. Wie all das in einer Schau deutlich machen? Mit Fotos von dem, was sich bis heute gehalten hat? Die Gastkuratoren Thomas Bolli und Christof Hirtler entschieden sich anders. Sie holten Kunst, die im Hotel Furkablick – es gehört heute der Richterich-Stiftung und ist bis auf das Restaurant geschlossen – überdauert hat und zum Teil noch nie zu sehen war, nach Altdorf, legten Dokumente in Vitrinen aus und zeigen Videos. Wer sich einlässt, mag einiges spüren von ‹Furk’art› – so der Name des Projekts –, auch von der augenzwinkernden Selbstironie oder von den Mystizismen um James Lee Byars und Joseph Beuys, die 1984 gemeinsam einen steilen Hang emporgestiegen sein sollen. Eine Vitrine präsentiert denn auch einen Beuys-Hut als «Reliquie». Die Ausstellung ist auch eine Einladung, hochzufahren auf den 2436 Meter hohen Pass. Im Juli und September gibt es Führungen.

Bis 
26.05.2019
Ausstellungen/Newsticker Datum Typabsteigend sortieren Ort Land
Furka - Kunst auf dem Pass ab 1983 16.03.201926.05.2019 Ausstellung Altdorf
Schweiz
CH

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