Giorgio Andreotta Calò

Giorgio Andreotta Calò · Città di Milano, Ausstellungsansicht Pirelli HangarBicocca, Mailand, 2019. Foto: Agostino Osio

Giorgio Andreotta Calò · Città di Milano, Ausstellungsansicht Pirelli HangarBicocca, Mailand, 2019. Foto: Agostino Osio

Giorgio Andreotta Calò · Produttivo, 2019 (Detail), produziert von Pirelli HangarBicocca, Mailand, 2019. Foto: Agostino Osio

Giorgio Andreotta Calò · Produttivo, 2019 (Detail), produziert von Pirelli HangarBicocca, Mailand, 2019. Foto: Agostino Osio

Hinweis

Giorgio Andreotta Calò

Mailand — Bei meinem Besuch des Pirelli HangarBicocca schien die Sonne. Sie drang durch die Öffnungen im Dach des Shed, der Ausstellungshalle für junge Künstler, und beleuchtete die Installation, die Giorgio Andreotta Calò (*1979, Venedig) mit seinen Werken geschaffen hat. Vielen dürfte Calò von der Biennale in Venedig 2017 bekannt sein, als er im Italienischen Pavillon im Arsenale mit Architektur, Wasser und Licht eine atmosphärisch dichte Installation schuf. Auch in Mailand entsteht ein Raum, in dem sich physische und metaphorische, örtliche und zeitliche Ebenen durchdringen. Konkrete geografische Orte und materielle Zeugnisse werden zum Ausgangspunkt verschiedener Erzählungen, sei es die Geschichte Pirellis, des Kohleabbaus auf Sardinien oder nicht zuletzt der Biografie des Künstlers und der Entstehung von Kunst an sich. Den herausfordernden Dimensionen des Shed von 15’000 m2 begegnet Giorgio Andreotta Calò mit szenografischen und dramaturgischen Mitteln. Die Ausstellung beginnt mit einem filmischen Tauchgang zu einem Wrack in hundert Metern Tiefe, zu einem Ereignis, das hundert Jahre zurückliegt. Damals sank das Schiff ‹Città di Milano› der Firma Pirelli Cavi, die damit Kabel auf dem Meeresgrund verlegte. Von der Videoprojektion folgt man zahlreichen auf dem Boden ausgelegten röhrenförmigen Sedimentproben aus dem Untergrund der Lagune in Venedig und dem Gebiet Sulcis Iglesiente auf Sardinien. Man begegnet einem eindrücklichen Stück Kabel, hölzernen Quallen, bronzenen Muscheln und vom Wasser zersetzten, in Bronze gegossenen Pfählen, die in Venedig als Navigations- und Anlegehilfe dienen. Auf der anderen Seite des Shed geht es in die Höhe. Eine über zehn Meter grosse Fotografie zeigt Mailand aus dem 31. Stock des Pirelli-Turms. Ein abgedunkeltes Zimmer fungierte als Camera obscura. Das Bild steht kopfüber, der schwarze Himmel wird zum Meer, aus dem die Stadt auftaucht. Die beiden Werke am Anfang und am Ende des Shed bilden die Pole, die sich in den Arbeiten dazwischen spiegeln: abtauchen-auftauchen, Wasser-Licht, unten-oben. Hinzu kommt die Zeit, in der sich Objekte verändern, von einer Form in eine andere übergehen und schliesslich zu Skulpturen werden. Das gilt für die einzelnen Werke, aber auch für die Ausstellung als Ganzes. Wäre ich bis zum Sonnenuntergang geblieben, hätte ich beobachten können, wie die hereinbrechende Dunkelheit die ‹Città di Milano› ins Meer versinken lässt und vollends in ein Unterwasser-Environment verwandelt. 

Bis 
21.07.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Giorgio Andreotta Calò 14.02.201921.07.2019 Ausstellung Milano
Italien
IT
Autor/innen
Meret Arnold
Künstler/innen
Giorgio Andreotta Calò

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