Jamie Diamond & Elena Dorfman

Elena Dorfman · Still Lovers, Ausstellungsansicht Osservatorio Fondazione Prada, 2019. Foto: Mattia Balsamini

Elena Dorfman · Still Lovers, Ausstellungsansicht Osservatorio Fondazione Prada, 2019. Foto: Mattia Balsamini

Jamie Diamond · Nine Months of Reborning, 2019, Ausstellungsansicht Osservatorio Fondazione­ Prada, 2019. Foto: Mattia Balsamini

Jamie Diamond · Nine Months of Reborning, 2019, Ausstellungsansicht Osservatorio Fondazione­ Prada, 2019. Foto: Mattia Balsamini

Hinweis

Jamie Diamond & Elena Dorfman

Mailand — Hoch über den glattpolierten Steinböden der Einkaufsarkaden Galleria Vittorio Emanuele II debütiert die Ausstellung ‹Surrogate: A Love Ideal› in dem vor drei Jahren neu eröffneten Osservatorio der Fondazione Prada. Die ausgestellten Fotografien der beiden US-amerikanischen Künstlerinnen Jamie Diamond und Elena Dorfman thematisieren die Beziehung zwischen Menschen und synthetischen Ersatzobjekten. Während Diamond auf das Phänomen von Sexpuppen fokussiert, widmet sich Dorfman künstlichen Repliken von früh verstorbenen Neugeborenen. Beide Serien erscheinen in Form einer Reportage, die den Streifzug in eine neue Kultur des künstlichen Stellvertreters dokumentiert. Die spezifische Sujetwahl evoziert unmittelbar Gefühle der Entfremdung und des Unheimlichen; Emotio­nen, die in den Fotografien auf sorgfältige Weise zergliedert und subvertiert werden. Beispielshaft dafür ist Dorfmans Aufnahme ‹Valentine 4›, 2002, welche die Rückenansicht einer Sexpuppe auf dem Schoss ihrer organischen Liebhaberin sitzend zeigt. Die menschlichen Hände umschlingen besitzergreifend die Hüften ihres Gegenübers und doch bleibt unklar, ob hier nicht eher die Puppe als eine Art plastifizierte Gottesanbeterin ihr Opfer verzehrt. Diamonds Serie ‹Nine Months of Reborning›, 2013–14, verfolgt eine ähnliche Ambivalenz, indem die infantilen Platzhalter auf aufwendige Weise wie realistische Kleinkinder porträtiert werden, im Zuge dessen aber gleichzeitig deren Unzulänglichkeit ausstellt. Die kuratorische Gegenüberstellung von Diamonds und Dorfmans Arbeiten ist weniger als Vergleich zwischen den beiden Künstlerinnen, sondern vielmehr als eine Ausleuchtung unterschiedlicher Phänomene einer neuen Umwelt der Reproduzierbarkeit zu verstehen. Die vulgäre Erotik der Sexpuppen kontrastiert die ephemere Unschuld der Kindsfiguren, und dennoch verbinden sich die Objekte über ihre Funktion als widerstandslose Projektionsflächen für private Wünsche, Gefühle und Träume. Dorfmans und Diamonds inszenierte Leblose legen offen, wie das Verhältnis von Mensch und Surrogat letztlich auf dessen Einseitigkeit beruht. Die emotionale Aufladung der inerten Objekte rührt von einem unterschwelligen Verlangen nach Besitz und Kontrolle und wirft somit ein Schlaglicht auf das individuelle Ringen um Glücksbefinden und subjektive Einheit in der postdigitalen Ära.

Bis 
22.07.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumabsteigend sortieren Typ Ort Land
Surrogati. Un amore ideale 21.02.201922.07.2019 Ausstellung Milano
Italien
IT
Künstler/innen
Jamie Diamond
Elena Dorfman
Autor/innen
Sandro Weilenmann

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