Julia Steiner

Julia Steiner · Fragmente der Welten, 2005–2016, Ausstellungsansicht

Julia Steiner · Fragmente der Welten, 2005–2016, Ausstellungsansicht

Julia Steiner · Fragmente der Welten, 2005–2016, Ausstellungsansicht. Foto: Heiner Grieder

Julia Steiner · Fragmente der Welten, 2005–2016, Ausstellungsansicht. Foto: Heiner Grieder

Hinweis

Julia Steiner

Langenbruck — Nach elf Jahren schliesst Julia Steiner (*1982) ihre Sammlung ‹Fragmente der Welten› mit einer Ausstellung und einem Buchprojekt ab. Parallel zu den bekannten grossformatigen Zeichnungen entstehen seit 2005 kleine skulpturale Skizzen. Erstmals ist die Arbeit nun vollständig im Kloster Schönthal zu sehen. Es ist angerichtet – streng chronologisch geordnet, auf zwei langen schwarzen Tafeln quer im Kirchenschiff platziert, präsentiert Julia Steiner 220 Objekte. Sie liegen auf schlichten Kartonboxen, die zugleich Sockel und Behältnis sind. Die strikte Aufstellung wird durch die Vielfalt der Erscheinungen und den spielerischen Umgang mit Materialien und Techniken kontrastiert. Einerseits sinnlich nahe, andrerseits entrückt, erscheint die Anordnung als eine Art dreidimensionales Tagebuch, wo sich intensives persönliches Erleben mit flüchtigen Gestaltungsideen paart. Es ergeben sich überraschende Bezüge. Grosses wird im Kleinen sichtbar, so in der ‹Weltbaustelle›, wo ein kreisrundes, gezacktes Sägeblatt, versehen mit winzigen Teilen von Kinderspielzeug, zum blauen Planeten erhoben wird. Artifizielle Kleinode verbinden hier humorvoll Verspieltes mit Existenziellem. Neben skurrilen Fundstücken findet sich kunstvoll Arrangiertes, das, mit poetischen Titeln versehen, einen Kosmos an Assoziationen öffnet. Manchmal verdichtet sich der Bezug zum Körper, wie beim ‹Haartopf› mit kleinen bernsteinfarbenen Nestern aus Eigenhaar, einem in einen runden Keks eingebetteten Selbstporträt sowie filigranen Abformungen von Körperteilen. ‹Kugelgeburt› oder ‹Knopfhimmel› verweisen auf eine spirituelle Dimension. Ebenso finden Spuren der künstlerischen Arbeit mit einer ‹Pinselsammlung›, einem Eimer abgeschabter Malutensilien oder einem ‹5-Jahreslappen› Eingang ins Archiv. Im Kunstkabinett von Julia Steiner sind Kreisläufe und Wandlung zentral. Wundersames zeigt sich in Umdeutungen von Naturobjekten, die als gezeichnete Kontinente ihre Präsenz in barock anmutenden Gouachen behaupten. In die expressiven Gebilde hat sich nicht nur der Körper, sondern auch die Fragilität des Moments eingeschrieben. Wenn ‹Dunkle Knospen›, ein Zweig mit düsteren Glühbirnen versehen, auf Zeichnungen grosser schwarzer Blüten stösst, ist nicht nur Lichterlöschen angesagt. In den Wuchsstadien der Blütenkelche schliesst sich der Kreis aus Werden und Vergehen. Nun hat Julia Steiner ihr Archiv mit einem Künstlerbuch geschlossen. Die Weltfragmente sind archiviert zwischen den Buchdeckeln und fügen sich in ein übergeordnetes Ganzes. Das Myzel der geheimen Ideenwelt wächst weiter im Untergrund und drängt in vielfältiger Gestalt als visuelle Knospen ans Licht. 

Bis 
19.05.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Julia Steiner 31.03.201919.05.2019 Ausstellung Langenbruck
Schweiz
CH
Autor/innen
Iris Kretzschmar
Künstler/innen
Julia Steiner

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