Kunsträume — Ein fruchtbares Milieu für Kunst

Sensitive Speed Beast, 2017, Aktion im Milieu Bern

Sensitive Speed Beast, 2017, Aktion im Milieu Bern

Sensitive Speed Beast, 2017, Aktion im Milieu Bern

Sensitive Speed Beast, 2017, Aktion im Milieu Bern

Sensitive Speed Beast, 2017, Aktion im Milieu Bern

Sensitive Speed Beast, 2017, Aktion im Milieu Bern

Fokus

An geschichtsträchtigem Standort neben dem Berner Münster hat sich der Kunstraum Milieu junger Schweizer Kunst verschrieben. Wo ab 1973 Lydia Megert, Norbert Klassen und Francesca Pia wirkten, zeigt seit 2015 ein Team Kunstschaffender Ende zwanzig ein ambitioniertes Programm. 

Kunsträume — Ein fruchtbares Milieu für Kunst

Simon Fahrni, Ramon Feller, Matthias Liechti und Valerie Keller – das neue Leitungsteam – trat 2015 mit dem Anspruch an, der gewachsenen Bedeutung des Raums Rechnung zu tragen. Gemeinsam führen sie den Ausstellungsraum als Ort für junge Kunst weiter. Diesen hatten Rémy Pia und Vinzenz Meyner als ‹Milieu Galerie/Artspace› aufgebaut, nachdem die Galerie Francesca Pia 2007 ins Löwenbräu umgezogen war. Die Neuen strichen den Zusatz «Galerie» und schärften das Profil als Offspace, indem sie Ausstellungen konzipierten, die sich nicht nach den Mechanismen des Verkaufs richten. In den sechs Präsentationen pro Jahr liegt der Schwerpunkt auf Einzelausstellungen junger Schweizer Positionen, ergänzt mit internationalen ­Gästen, und vermehrt auch thematischen Gruppenausstellungen. Nachdem beispielsweise Thomas Julier (*1983) im November 2018 Johannes Leuzingers Flöte spielenden Faun zum Leben erweckt hatte, öffnete im Dezember die Gruppenausstellung ‹Hypnology› den Blick auf gesellschaftliche Hypnosezustände. Ende April zeigt nun die Bernerin Rita Siegfried (*1964) kleinformatige Malereien oft missachteter Details, und im Juni wird Othmar Farré (*1985) zu sehen sein. Ab und an werden Ausstellungen mit weiteren Programmpunkten ergänzt: Vom Ausflug ins Freilichtmuseum Ballenberg, einem vortragenden Teilchenphysiker bis zum SPAM-Newsletter, der heute noch im Umlauf sein soll, reicht die Palette. Dennoch bleibt der Fokus auf der engen Begleitung bei der inhaltlichen Ausarbeitung der jeweiligen Ausstellung, deren Aufbau im Raum und einer guten Dokumentation, die online zugänglich bleibt. Der Anspruch ist dabei, dass dank den Mitteln, zu einem wichtigen Teil von Pro Helvetia und anderen öffentlichen oder privaten Geldgebern eingebracht, die Produktionskosten gedeckt sind. Die Galerie wird zum Offspace ambitionierter Kunstschaffender, die über die Stadt hinaus aktiv und mobil sind. Damit steht Milieu stellvertretend für zwei Entwicklungen in Bern: den abwandernden Markt und die überregionale Vernetzung. Heute ist noch ein Leitungsteammitglied hier wohnhaft, die anderen in Zürich und Basel. Eine fruchtbare Ausgangslage: Abends an der Vernissage reist das junge Kunstmilieu aus der Deutsch- und der Welschschweiz an, während samstags zwischen 11 und 17 Uhr oft auch eine Laufkundschaft, bei einem Stadtbummel interessiert nachfragend, den zentral gelegenen Kunstraum betritt.

Adrian Dürrwang. Kunsthistoriker, freier Autor und Lehrer in Bern. a_duerrwang@hotmail.com

Kunsträume: Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

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