Licht und Leinwand

Francis Frith · Sphinx und Grosse Pyramide in Gizeh, 1856/59, Public Domain, Rijksmuseum Amsterdam

Francis Frith · Sphinx und Grosse Pyramide in Gizeh, 1856/59, Public Domain, Rijksmuseum Amsterdam

Charles Nègre · Der Leierkastenspieler, 1853, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Charles Nègre · Der Leierkastenspieler, 1853, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Hinweis

Licht und Leinwand

Karlsruhe — Die Erfindung der Fotografie hatte die Malerei in eine tiefe Krise gestürzt, da das Lichtbild besser als jegliches Medium zuvor die Wirklichkeit abzubilden vermochte. Sie befreite jedoch auch und beflügelte die Idee von L’art pour l’art. Die geglückte Schau ‹Licht und Leinwand› offenbart anhand gut ausgewählter Werke das frühe Verhältnis der beiden Medien in den Jahren 1840 bis 1900: ein befruchtender künstlerischer Wettstreit von Techniken, Sujets und gegenseitigen Übernahmen. Gleich zu Beginn stehen sich grossformatige ­Gemälde von Personen in repräsentativem Habitus und kleine, silbrig-spiegelnde Daguerreotypien gegenüber. Beides sind Unikate. Während sich die Fotografie durch eine nie da gewesene Schärfe auszeichnet (sofern die Fotografierten über die lange Belichtungszeit ausreichend stillhielten, was sogar einem Hund gelang) – besticht die Malerei durch Farbe und Vervollkommnung der Porträtierten. Schon bald nach ihrer Erfindung im Jahr 1839 löste die Fotografie das Miniaturbild ab, nicht jedoch das grosse Format oder intime Porträt. Und früh begannen Fotografen zu experimentieren und versuchten wie Alois Löcherer die starren Posen aufzulösen. Mit der Entwicklung der Kalotypie und dem Kollodiumverfahren entstanden bald nicht nur vervielfältigbare, sondern auch weichere Fotografien, die den Sehgewohnheiten mehr entsprachen. Oft wählten Fotografinnen und Fotografen bewusst überlieferte Posen der Malerei, um ihren künstlerischen Anspruch zu unterstreichen. Das wird beim Akt deutlich oder bei der Darstellung von historischen Themen anhand von Kostümen und Requisiten. Käufer und Käuferinnen bevorzugten Gemälde, die nach der Natur gemalt waren, und so wurde häufig unerwähnt gelassen, dass spätestens ab 1880 viele Künstler nach fotografischen Vorlagen malten. Lichtbilder wurden ausserdem als Kompositionsmittel eingesetzt, wie eine Blattreihe von Charles Nègre zeigt, wo einmal die unbearbeitete Kalotypie zu sehen ist, dann ihre farbige Übermalung und schliesslich eine verschönende Variation. Neben vielen anderen spannenden Aspekten wie etwa der Dekonstruktion des Geniekults wird man gewahr, dass die fotografischen Bewegungsaufnahmen manch exklusiven Pferdemaler bezüglich der Beinstellung im Galopp eines Besseren belehrte. Am Ende des Parcours hängt eine programmatische Fotografie, die im überlieferten Sujet einer Tücher bleichenden Wäscherin den eigenen, Licht nutzenden Entstehungsmodus reflektiert. 

Bis 
02.06.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Licht und Leinwand 09.03.201902.06.2019 Ausstellung Karlsruhe
Deutschland
DE
Künstler/innen
Francis Frith
Charles Negre
Autor/innen
Yvonne Ziegler

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