Marc-Antoine Fehr

Marc-Antoine Fehr · ohne Titel, 2019, 16 x 22 mm, Mischtechnik auf Papier

Marc-Antoine Fehr · ohne Titel, 2019, 16 x 22 mm, Mischtechnik auf Papier

Hinweis

Marc-Antoine Fehr

Luzern — Marc-Antoine Fehr (*1953) ist so etwas wie ein Tagebuchautor der visuellen Künste. Kürte Paul Klee den Ausspruch ‹Nulla dies sine linea› (Kein Tag ohne eine Linie) in seinen letzten Lebensjahren zum Lebensmotto, so könnte das Wort «linea» in Bezug zu Fehrs eigener Praxis mit «imago» (Bild) ersetzt werden. Bereits mit ‹Le Grand moulin›, 1990, und mit ‹Paysage sans fin›, 1995, stellte er sein Faible für Bilderzyklen unter Beweis. 1995 folgte die Serie ‹Vagabondages›. In ihrem fragmentarischen und unsystematischen Charakter erinnert die fortdauernde Reihe kleinformatiger Ölbilder an Tagebuchaufzeichnungen. Kaum verwunderlich, dass die Leinwände ab und an die Ästhetik von fotografischen Schnappschüssen annehmen. Mal in Nah-, dann wieder in Fernsicht, mal biografisch-anekdotenhaft, dann wieder magisch-entrückt führen die Malereien das Auge spazieren. Nicht nur formal, sondern auch inhaltlich knüpft Fehr in seiner neuesten Werkserie an das Motiv des Spaziergangs an. ‹The walk of the blind man› – so der Titel der Reihe – erscheint, analog zur Ausstellung in der Galerie Edizioni Periferia, auch in Buchform. Ihren Ausgang nimmt die Promenade auf Papier in Form einer aufs Wesentlichste reduzierten Linienzeichnung: Zu sehen ist auf einem Treppenabsatz ein blinder Mann in Begleitung eines kleinen Hundes. Ähnlich dem blinden Flaneur, der keine visuellen Sinneseindrücke wahrnehmen kann, überführt auch Fehr den Hauptprotagonisten seiner Bilderreihe beinahe ganz der Unsichtbarkeit. Nur hie und da taucht die Figur wie ein zufälliger Geistesblitz wieder auf der Bildfläche auf, um sich gleich wieder von ihr zu verabschieden. Stattdessen erschafft Fehr in zuweilen altmeisterlicher Manier atmosphärische Landschaften und Räume, deren Ausstrahlung alle Nuancen zwischen romantisch-zauberhaft bis profan-alltäglich abdeckt: in warmes Sonnenlicht getauchte Häuserzeilen an einem menschenverlassenen Hafen, eine geisterhaft anmutende Ansicht von Gebäuden bei Nacht oder eine stehende Lastwagenkolonne, umgeben von spriessendem Grün. Was für den Modus des Spaziergangs symptomatisch ist, führt Fehr auf bildlicher Ebene fort: Die lustwandelnde Reise folgt keinem klar vorgegebenen Ziel, sondern führt in scheinbarer Spontaneität von einem Schauplatz zum nächsten. Im Atelier des Künstlers selbst angelangt, geht die Reise in eine Art Träumerei über, um nach und nach zu verblassen. 

Bis 
15.06.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Marc-Antoine Fehr 18.05.201915.06.2019 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Autor/innen
Tiziana Bonetti
Künstler/innen
Marc-Antoine Fehr

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