Michael Etzensperger

Michael Etzensperger · Abglanz, 2019, C-Print; Spinne, 2019, Videoloop mit Ton

Michael Etzensperger · Abglanz, 2019, C-Print; Spinne, 2019, Videoloop mit Ton

Michael Etzensperger · Resister, 2019, Videoloop mit Ton; Abglanz, 2019, C-Print

Michael Etzensperger · Resister, 2019, Videoloop mit Ton; Abglanz, 2019, C-Print

Hinweis

Michael Etzensperger

Winterthur — Das nervöse Flimmern und penetrante Piepsen mehrerer Videoinstallationen empfangen einen, öffnet man die Schiebe­tür zum Ausstellungsraum der Kunsthalle. Ergriffen von einem Gefühl des Unbehagens, möchte man am liebsten wieder umkehren. Doch hat man sich einmal an die unübliche Geräuschkulisse und an das künstliche Licht gewöhnt, weicht das Unbehagen der Neugier und man fühlt sich zu einer grossen Projektion hingezogen, die im vorderen Raum zu sehen ist. Diese besteht aus drei Aufnahmen, auf denen der Kontrollbildschirm eines Lasertrimmers zu sehen ist, ein Gerät, das zur Justierung elektrischer Widerstände dient. Visuell manifestiert sich der technische Vorgang als eine Landschaft aus dünnen schwarz-weissen Linien, die ständig in Bewegung sind und sich zu überlappen scheinen. Die Aufnahmen wirken beruhigend, gar hypnotisierend, als ob man die sanften Wellenbewegungen des Meeres beobachten würde. So schweift man ab – bis einen das Piepsen des Trimmers wieder in die Realität zurückholt, wobei bei jedem Ton ein Bild eingeblendet wird, das die Schwarz-Weiss-Aufnahmen ein Frame lang unterbricht: eine Fliege. Pieps. Ein Flieger nach Übersee. Pieps. Die eingeblendeten Bilder stammen mehrheitlich von Werbeplakaten aus dem städtischen Raum. Sie wurden mit einem Teleobjektiv aufgenommen und hängen ebenfalls als grossformatige Fotografien an den Wänden der Kunsthalle. Ähnlich wie bei der Projektion findet sich auch hier ein Element der Irritation wieder. Denn auf den Fotografien sind nicht nur die Plakate selbst zu sehen, sondern auch die Spuren des öffentlichen Raums: der Rahmen, in denen die Anzeigen eingefasst sind, die Verzerrungen, die durch das davorliegende Glas entstehen, die Farbverfälschungen der künstlichen Beleuchtung. So entsteht ein Wechselspiel aus Kenntlichkeit und Unkenntlichkeit, aus Gewohntem und Ungewohntem. Die Grenzen der Wahrnehmbarkeit reizt Michael Etzensperger (*1982, Winterthur) nicht nur auf visueller, sondern auch auf akustischer Ebene aus. Im hinteren Raum läuft das Video einer Spinne, die ihr Netz vor einer grellgelb leuch-tenden Werbetafel spinnt; dabei ist jede ihrer Bewegungen als elektronischer Ton hörbar. So schafft es Etzensperger einmal mehr, einen mit gewohnten Bildern anzulocken, um einen durch ein irritierendes Moment schliesslich wieder herauszureissen. Das Unbehagen ist zurück – und man schreitet aus der Ausstellung hinaus, etwas verunsichert darüber, wie einfach man von Bekanntem angezogen wird und wie schnell es bis zur Unkenntlichkeit verformt werden kann. 

Bis 
28.04.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Michael Etzensperger 10.03.201928.04.2019 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Giulia Bernardi
Künstler/innen
Michael Etzensperger

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