Miles Aldridge

Miles Aldridge · New Utopias #1, 2018, Screenprint, 111 x 98 cm

Miles Aldridge · New Utopias #1, 2018, Screenprint, 111 x 98 cm

Miles Aldridge · New Utopias #4, 2018, Screenprint, 111 x 98 cm

Miles Aldridge · New Utopias #4, 2018, Screenprint, 111 x 98 cm

Hinweis

Miles Aldridge

Zürich — Mit makelloser Haut und perfektem Make-up schaut das Sujet des britischen Fotografen Miles Aldridge (*1964, London) in die Ferne. Mit ihren langen Fingern – die so platziert sind, dass die akribisch manikürten Nägel zur Geltung kommen –, hält sie eine Scheibe Brot in den Händen, währenddessen eine hellgraue Wolke aus dem rauchenden Toaster steigt und ihre gestylte Frisur umwölbt. Jedes Detail stimmt: die symmetrische Pose, die angespannten Finger, der konzentrierte Ausdruck. Jedes Haar, jede Falte in der Bluse sind genau da, wo sie sein sollen. Doch letztlich ist es genau diese überzeichnete Perfektion, mit der Aldridge die Inszenierung des Bildes entlarvt. Dass irgendwas an der Fotografie ‹New Utopias #1› nicht stimmt, spüren wir von Anfang an, doch was es ist, können wir zunächst nicht sagen – zu sehr sind wir an den Bildtypus aus Modemagazinen und Werbung gewöhnt, der uns tagtäglich überflutet und konsumiert werden will. Doch nehmen wir uns die Zeit, die Fotografie einmal genauer zu betrachten, kippt nach und nach die vordergründige Perfektion in die verstörende Groteske. Die gestellt-steife Pose der Protagonistin hat etwas Lebloses an sich, die perückenähnliche Frisur, das übertriebene Make-up etwas Clownhaftes. Die grossen Ohrringe wirken auf einmal schwer, die Bluse eng und unbequem, während die Protagonistin mit leerem Blick in die Ferne starrt. Die Bilder sind durchdacht, greifen bewusst die Stilmittel der Fashion- und Werbefotografie auf, mit denen Aldrige uns ködert, um uns dann in eine absurde Welt zu katapultieren, in der uns das Bild nicht den Weg zum Glück, sondern jenen zum Unbehagen vermittelt. Eine absurde Welt, die an die surrealen Träume aus den Filmen von David Lynch oder Federico Fellini erinnert, in denen jeweils skurril-kuriose Figuren auftauchen. Ähnlich wie sich die Ängste der Charaktere von Lynch und Fellini in den Wesen manifestieren, steht die clowneske Frau in der Fotografie von Aldridge für die hässlichen Klischees, die unsere Sehgewohnheiten bestimmen. Die blonde Frau mit den perfekt manikürten Fingernägeln, die sowohl glamourös als auch häuslich zu sein hat. Doch die hässlichen, oft diskriminierenden und sexistischen Klischees bleiben hinter einer schönen Larve versteckt, machen wir uns nicht die Mühe, das Bild zu dechiffrieren. 

Bis 
04.05.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Miles Aldridge 28.02.201904.05.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Miles Aldridge
Autor/innen
Giulia Bernardi

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