quiet bliss — stilles Glück

Andrea Heller · untitled, 2017, Tinte auf Papier (an der Wand); Objekte aus Glas und Keramik, 2019, Raumansicht Kunstraum Medici Solothurn © ProLitteris

Andrea Heller · untitled, 2017, Tinte auf Papier (an der Wand); Objekte aus Glas und Keramik, 2019, Raumansicht Kunstraum Medici Solothurn © ProLitteris

Fabien Clerc · Forest of Equilibrium, glasierte Keramik, 2019; Thomas Flechtner · Leaves, C-Print, 2017 (an der Wand), Raumansicht Kunstraum Medici Solothurn © ProLitteris

Fabien Clerc · Forest of Equilibrium, glasierte Keramik, 2019; Thomas Flechtner · Leaves, C-Print, 2017 (an der Wand), Raumansicht Kunstraum Medici Solothurn © ProLitteris

Besprechung

Augenblicke des Innehaltens, des stillen Glücks fängt die Ausstellung ‹quiet bliss› mit Arbeiten von fünf Kunstschaffenden ein. Die Techniken variieren, die Motive ähneln sich: Das stille Glück, das hier beschworen wird, wurzelt in der Erfahrung von Natur, Geheimnis, Licht.

quiet bliss — stilles Glück

Solothurn — Pilze, das ist hinlänglich bekannt, können Zugang zu anderen Welten eröffnen. Sofern man weiss, welche Pilze man in welcher Menge konsumieren darf. Auch Kunst kann Zugänge zu anderen Welten öffnen. Pilze in der Kunst können da kaum etwas anderes sein als Türöffner ins Neue, Phantastische, Unerwartete. Und was für Türöffner da entstehen, wenn Marianne Engel sich dieser Spezies zwischen dem Pflanzlichen und dem Animalischen annimmt! Die Künstlerin hat ein ganzes Set goldener Pilze gestaltet, elegant, kostbar, verführerisch. Sie schweben gleichsam auf einer spiegelnden Tischfläche, die ihrerseits faszinierende neue Räume eröffnet. In der Ausstellung ‹quiet bliss – stilles Glück›, die Nathalie Ritter und Thomas Schmutz für den Kunstraum Medici kuratiert haben, begegnen sich Werke von fünf Kunstschaffenden, die in ihrer Arbeit aus der Beschäftigung mit der Natur und mit dem Licht schöpfen. Marianne Engels ‹Goldpilze› könnten einem Märchen entwachsen sein. Ebenso der ‹Crystal Palace› von Fabien Clerc, der eine Wunderwelt en minia­ture zeigt. Clerc erschafft kristalline Formen aus Keramik und färbt sie anschlies­send mit Autolacken. So entstehen rätselhaft schöne kleine Objekte mit apartem Metalicglanz und intensiver Farbigkeit; es sind Schmuckstücke, die, auf einer spiegelnden Marmorplatte arrangiert, eine kleine Zauberwelt bilden. Gestalten Clerc und Engel im Kleinen, so hat Thomas Flechtner wahre Giganten der Natur ins Bild gesetzt. Er hat Blätter der Gunnera fotografiert, die dem Rhabarber ähnlich sehen und eine Grösse von bis zu zwei Metern Durchmesser erreichen können. Für seine Aufnahmen wählte Flechtner teils welke Blätter, die bizarre Formen angenommen haben. Andrea Heller ist mit einer Reihe von Bodenarbeiten vertreten, in denen sie ihre Experimente mit bergartigen, amorphen Formen weiterführt. Neben dunklen, erdschweren Keramikobjekten zeigt sie faszinierende mundgeblasene Glaskuppeln. Teilweise ineinandergestapelt und mit delikaten Farbverläufen stehen diese Glasobjekte im Raum wie psychedelische Bergkuppen, in denen ein betörendes Licht der Erkenntnis glimmt. Ein elaboriertes Spiel mit Licht und Schatten ist das tragende Element in den Fotografien von Claudio Moser. Es sind Fotoprints, die vorwiegend aus sattem Schwarz bestehen, in dem einzelne Lichter, Leuchten, Durchblicke vor dem suchenden Auge Räume entfalten, die mehr Ahnung als Gewissheit bleiben. Oft liegt das Glück darin, nicht alles zu wissen und vor allem nicht alles wissen zu wollen, so liesse sich aus dieser gelungenen Ausstellung schliessen.

Bis 
01.06.2019
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Quiet Bliss – Stilles Glück 17.03.201901.06.2019 Ausstellung Solothurn
Schweiz
CH

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