Salvatore Vitale — Sicherheit im Visier

Salvatore Vitale · Seepolizistin auf Patrouille während eines Rettungseinsatzes im Zürichsee, Zürich, 2016, aus der Serie ‹How to Secure a Country›

Salvatore Vitale · Seepolizistin auf Patrouille während eines Rettungseinsatzes im Zürichsee, Zürich, 2016, aus der Serie ‹How to Secure a Country›

Besprechung

Die eigene Erfahrung hat ihn geprägt. So stellt sich Salvatore ­ Vitale, vor Jahren aus Italien in die Schweiz gekommen, die ­Frage «How to Secure a Country» und zeigt erstmals in grösserem Umfang, wie hierzulande Sicherheit hergestellt wird. Eine fordernde Ausstellung in der Fotostiftung Schweiz.

Salvatore Vitale — Sicherheit im Visier

Winterthur — Kennen Sie Babs und Eva? Oder Kantz und Polna? Sie alle sind – in Grossbuchstaben – Akteure der Schweizer Sicherheitslandschaft: das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, die Europäische Verteidigungsagentur, die kantonale Zivilschutzbehörde und die nationalen Polizeidienste Nachbarstaaten. Sie und noch einige Dutzend mehr. Gleich zu Beginn der Ausstellung kann man auf einer Tafel ablesen, mit welchen Bedrohungen sich die verschiedenen Parteien befassen und wer mit wem innerhalb und ausserhalb der Schweiz zusammenarbeitet. Und bekommt so einen ersten Eindruck von der Komplexität der Sicherheitslandschaft Schweiz. Dabei bleibt es denn auch bis ans Ende der Ausstellung, bei der nichts aufgelöst wird. Mit Schauen allein kommt man nicht weit, «bequem» an der Wand hängt sowieso nichts; Fotografien schon gar nicht, nur die dunklen Infotafeln. Man muss sich explizit einlassen auf den Sicherheitsparcours, den der Künstler Salvatore Vitale (*1986, Palermo, seit 2005 in der Schweiz), Projektleiter Sascha Renner und Gastkurator Lars Willumeit in der Fotostiftung eingerichtet haben. Sich durch den Schilder- und Zeichenwald bewegen, der aus einer Art schrägen Stelen besteht, auf denen sich die Abbildungen, die beispielhaften, sinnlichen Bilder der nur schwer zu visualisierenden Inhalte befinden. Ohne Lesen geht fast nichts. Dann aber werden einzelne Aspekte dessen, was zur Sicherheit und Absicherung eines modernen Landes gehört, erfahrbar. Und wer weiss, dass viele Menschen andernorts einen Teil ihrer sogenannten Freiheit für mehr Sicherheit opfern würden, bleibt mit seinem Urteil zurückhaltend. Fünf Abschnitte umfasst die Schau, die sich als erste eingehend mit Vitales visuellem Forschungsprojekt zum Thema Sicherheit beschäftigt. Natürlich waren viele sicherheitsrelevante Orte dem Fotografen aus naheliegenden Gründen nicht zugänglich, doch seine Bilder von Grenzen, militärischen Tatsachen, polizeilichen Einrichtungen, Hochleistungscomputerzentren, Roboterforschung oder Wetterbeobachtung geben genug Anregung, um über Sicherheitssysteme nachzudenken und über die Art, wie sie arbeiten. Einige Bilder sind auch ausgesprochen ästhetisch – die rote Leuchtschrift «Dogana» im Dunkel, der gold-orange-schwarze Blick in ein Sanitätszelt –, was der eher kühlen Ausstellung guttut. Am Ende ist man fast ein wenig froh, dass man als Laie die Sicherheit des Landes nicht täglich hinterfragen muss und im Gedanken leben darf, dass die Verantwortlichen wissen, was sie tun. 

Bis 
26.05.2019

→ ‹Salvatore Vitale – How to Secure a Country›, bis 26.5.; im Mai erscheint eine Publikation zum Thema (Lars Müller, 296 S., 192 Ill.). Sonderveranstaltungen am 12. und 19.5. ↗ www.fotostiftung.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Salvatore Vitale. How to Secure a Country 23.02.201926.05.2019 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Salvatore Vitale

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