Körper. Blicke. Macht. Eine Kulturgeschichte des Bades

Delphine Reist · Douches, 2018, Courtesy Die Diele 2018. Foto: Livio Baumgartner

Delphine Reist · Douches, 2018, Courtesy Die Diele 2018. Foto: Livio Baumgartner

Monira Al Qadiri · Deep Float, 2017. Foto: Eric Bell

Monira Al Qadiri · Deep Float, 2017. Foto: Eric Bell

Besprechung

Eine facettenreiche Ausstellung enthüllt das Bad als Ort des Politischen und die Kultur des Badens als gesellschaftlich geprägte Praxis, die fortwährender Veränderung unterliegt. Die ­Intimität des Privaten vermischt sich mit dem Auge des Öffentlichen, sei es im Gemeinschaftsbad oder im Badezimmerselfie.

Körper. Blicke. Macht. Eine Kulturgeschichte des Bades

Baden-Baden — Unter dem Titel ‹Körper. Blicke. Macht. Eine Kulturgeschichte des Bades› fordert die Ausstellung in der Kunsthalle und weiteren Orten Baden-Badens dazu auf, die vertraute Selbstverständlichkeit von privaten Badezimmern, öffentlichen Badeanstalten, luxuriösen Swimmingpools und fit machender Wellnesskultur kritisch zu betrachten. Dass Menschen sich täglich mit Wasser waschen, war nicht immer so. Aus Angst vor Krankheitsübertragungen entstand im 16. Jahrhundert die Trockenwäsche. Man benutzte Salben, Parfüm, Schminke und in Essenzen getränkte Tücher, um sich frisch zu machen, wie mehrere Flakons, Döschen und Spiegeltische veranschaulichen. Die Schweizer Künstlerin Delphine Reist setzt diesen die unnatürliche Farbigkeit und Konsistenz von Duschgels entgegen, die ihre Inhaltsstoffe und Wirkweise verschleiern und als Farbrinnsale ein an Robert Morris erinnerndes Gemälde entstehen lassen. Im Bad geht es ums Blickregime. So dienten lange Zeit christliche und mythologische Themen als Vorwand, nackte Frauen darzustellen: Die Betrachtung der Bilder von Nymphen, Diana und Actaeon oder Susanna im Bade versetzt unfreiwillig in eine voyeuristische Position. Erst im 20. Jahrhundert gelangte der männliche Akt wieder ins Bild, etwa bei Duschenden von Patrick Angus oder Rainer Fetting. Ein Raum widmet sich den Vorstellungen europäischer Maler vom orientalischen Frauenbad. Eindrücklich hängen Gemälde von badenden Nackten im ornamentalen Interieur des Hammam vor einer schwarzweissen Wandtapete mit unzähligen Augen der iranischen Künstlerin Parastou Forouhar. Das Bad als Tatort ist Thema in Jacques Louis Davids berühmtem ‹Tod des Marat›, Thomas Demands fotografischer Rekonstruktion des Hotelbadezimmers von Uwe Barschel oder Lee Millers Fotografie ihres okkupierenden Bads in Hitlers Wanne. Die kuwaitische Künstlerin Monira Al Qadiri zeigt demgegenüber eine Badewanne mit einer in Erdöl ertrunkenen Figur. Die auch als Pflegebad verwendbare Ressource steht im Fokus von weltweiten Verteilungskämpfen, die über Leichen gehen. Zudem lenken Objekte, Zeichnungen, Keramiken und Fotografien den Blick auf die der Stadt ihren Namen gebenden römischen Thermen, die griechische Badekultur und den Hammam. Letztere sind im Stadtmuseum zu sehen, wo nicht nur der private Pool, sondern auch zu Propagandazwecken eingesetzte Bäder in Dachau oder die Waschgelegenheiten von Soldaten gezeigt werden. Dass es im Bad ausserdem um Fragen der Rassen- und Geschlechtertrennung geht, sind weitere spannende Aspekte. 

Bis 
21.06.2020
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Körper. Blicke. Macht 07.03.202021.06.2020 Ausstellung Baden-Baden
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