Lena Eriksson

Lena Eriksson · Tag und Nacht freihalten, 2020, Jahresaussenprojekt, Kunsthaus Baselland. Foto: Gina Folly

Lena Eriksson · Tag und Nacht freihalten, 2020, Jahresaussenprojekt, Kunsthaus Baselland. Foto: Gina Folly

Hinweis

Lena Eriksson

Basel/Muttenz — Seit dem März schmückt ein Werk von Lena Eriksson (*1971, Visp) für die Dauer eines Jahres die Fassade des Kunsthauses Baselland. In der Region kennt man nicht nur die Zeichnungen der Künstlerin, auch ihre Videos, Performances und den Projektraum ‹Lodypop› (Leistung ohne Druck und Projekte ohne Panik), den sie von 2004 bis 2009 leitete. Viele ihrer Arbeiten beruhen auf Kollaborationen und freundschaftlichem Austausch mit anderen Kunstschaffenden, gleichzeitig betreibt sie als Dozentin an der Hochschule Luzern eine Art künstlerische Forschung in der Bildvermittlung. Ein Archiv unzähliger fotografischer Aufnahmen von Reisen dient ihr als Ausgangslage für neue zeichnerische Gebilde. Es sind unspektakuläre kleine Szenen aus dem täglichen Erleben von Welt, von Begegnungen und Gastfreundschaft. Eriksson übersetzt sie zeichnerisch – dreht, kombiniert und kollagiert sie zu neuen Einheiten und persönlichen Erzählungen. Im Anschluss druckt sie diese auf Papier aus und setzt mit Aquarell gezielte Farbakzente. Auch das Fassadenbild in Muttenz ist so entstanden. Fastfood und Bratwurst am Strassenrand sind in unserer globalisierten Welt auf dem Vormarsch. Aber herrenlose schlafende Hunde? Heimatlose Köter, von Fusstritten vertrieben, geduldete Wesen, die mit eingezogenem Schwanz das Weite suchen, wenn sie aufgeschreckt werden? Auf diese stossen wir in der Schweiz selten, in anderen Ländern jedoch schon. Eriksson macht sie zu Hauptdarstellern ihrer Zeichnung: Zwei solche Tiere haben ihren Frieden gefunden. Ruhig schlafend, schweben sie in der Leere des Bildraums, unter einem grossen Himmelszelt, das aus einem ausgerollten Teppich besteht. Zeit zum Träumen! Der grössere hat die Läufe weit von sich gestreckt, während der kleinere, die Beine angewinkelt, aus einem schwarzen Tintenklecks hervorgegangen ist, der seine mediale Herkunft verrät. Kein schönes Wetter heute, der Sonnenschirmständer neben der Wurstbude ist leer und der Kunde in kurzer Hosen hat sich eine Decke über die Schultern geworfen, während die steinerne Madonna für Touristen einen Rosenkranz betet. Mürrisch thront sie über der Landschaft, die das Meer erahnen lässt. Ganz unterschiedliche Realitäten aus mehreren Teilen der Erde treffen im Bild von Eriksson zusammen. Die schlafenden Tiere im Zentrum der Komposition verbinden die Sphären und tauchen leitmotivisch in weiteren Arbeiten der Künstlerin auf. Im Schlaf ist die Gleichzeitigkeit des Erlebens möglich, in der Zeichnung von Eriksson eine Erweiterung des Blicks, der die Fassade zu einem Ort der Imagination verwandelt – schlafende Hunde sollte man nicht wecken. 

Bis 
31.12.2020
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Baselland Schweiz Basel/Muttenz
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Lena Eriksson 13.03.202031.12.2020 Ausstellung Muttenz
Schweiz
CH
Künstler/innen
Lena Eriksson
Autor/innen
Iris Kretzschmar

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