Sheela Gowda

Sheela Gowda · Untitled (Cow dung), 1992–2012, Ausstellungsansicht Lenbachhaus, 2020. Foto: Simone Gänsheimer

Sheela Gowda · Untitled (Cow dung), 1992–2012, Ausstellungsansicht Lenbachhaus, 2020. Foto: Simone Gänsheimer

Sheela Gowda · Darkroom, 2006, Ausstellungs­ansicht Lenbachhaus, 2020. Foto: Simone Gänsheimer

Sheela Gowda · Darkroom, 2006, Ausstellungs­ansicht Lenbachhaus, 2020. Foto: Simone Gänsheimer

Hinweis

Sheela Gowda

München — Kuhdung ist in Indien ein Allround-Material: Es dient als Dünger, gepresst und getrocknet als Brennmaterial und Baustoff, Räucherwerk für Tempel und sogar Spielzeug wird daraus hergestellt. Da ist es naheliegend, dass die in Bengaluru/Bangalore und in der Schweiz lebende indische Künstlerin Sheela Gowda (*1957, Bhadratvati) getrockneten Kuhmist als Werkstoff nutzt. In der Installation ‹Untitled. Cow Dung› etwa findet man ihn in Form von Backsteinen, Fladen und Kugeln. 2019 wurde sie mit dem Maria-Lassnig-Preis geehrt, am 31. März sollte ihre grosse Überblicks-Ausstellung ‹It … matters› im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses eröffnet werden. Weil das Publikum die von Eva Huttenlauch kuratierte Schau derzeit nicht betreten kann, hat sich das Haus entschlossen, diese vorerst im Netz sichtbar zu machen. Das ist bei einem Werk, mit vielen begehbaren Raum-Installationen und Materialien, die ihre Wirkung nicht nur visuell entfalten, eine Herausforderung. Doch wenn man – müde vom täglichen Krisenmodus – Ablenkung sucht und sich darauf einlässt, wird die sinnliche Komponente aus der Distanz umso deutlicher. Es lohnt sich also, sich vorerst virtuell damit auseinanderzusetzen; zumal auch ein Film über die Künstlerin, der im Rahmen der Schau entstand, auf der Homepage zu sehen ist. Gowda schuf zunächst Ölmalereien, ehe sie sich Anfang der 1990er Jahre neuen Ausdrucksformen zuwandte. Seither sucht sie ihre Materialien im Alltag, verwendet Kokosfasern, Haare, ausrangierte Mahlsteine, Teerfässer. Ihre Kunst reflektiert die religiösen, sozialen und politischen Gegebenheiten ihrer Heimat, etwa ‹Darkroom›: Die begehbare Skulptur bezieht sich auf notdürftige Behausungen indischer Strassenarbeiter, die sie aus den Relikten ihrer Arbeit schaffen. Sie besteht aus Teerfässern und wirkt mit gerundeten Ecktürmen wie eine kleine Festung. Ein Schutzraum, bergend und beklemmend zugleich. ‹Behold› wiederum basiert darauf, dass sich Hindus als Opfergabe vor dem Gang zum Tempel die Haare abschneiden. Die daraus geflochtenen Zöpfe dienen als Talisman, bei Gowda wird daraus ein fragiles Konstrukt aus Aberglaube und Wirklichkeit. In Krisenzeiten mag eine radikale Erweiterung des Kunstbegriffs manchem als dekadent erscheinen. Bei Gowda ist sie das Gegenteil: Nämlich die Rückführung der Kunst auf das Einfachste, um diesem seinen elementaren Wert zurückzugeben.

Bis 
26.07.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Sheela Gowda - online 12.05.202018.08.2020 Ausstellung München
Deutschland
DE
Künstler/innen
Sheela Gowda
Autor/innen
Roberta, De Righi

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