Ulla von Brandenburg

Ulla von Brandenburg · Das Was Ist, 2020, Ausstellung Palais de Tokyo. Foto: Aurélien Mole

Ulla von Brandenburg · Das Was Ist, 2020, Ausstellung Palais de Tokyo. Foto: Aurélien Mole

Ulla von Brandenburg · Le milieu est bleu, 2020, Ausstellungsansicht Palais de Tokyo. Foto: Aurélien Mole

Ulla von Brandenburg · Le milieu est bleu, 2020, Ausstellungsansicht Palais de Tokyo. Foto: Aurélien Mole

Hinweis

Ulla von Brandenburg

Paris — Mit einem grossen Loch, umrahmt von bunten Stoffbahnen empfängt Ulla von Brandenburg (*1974, Karlsruhe) mit barocker Geste zur grossen Soloshow im Palais de Tokyo. Entworfen im Modell 1:50, umgesetzt vor Ort mit Material vergangener Ausstellungen, laden ihre szenischen Suiten zur Begegnung. Inspiriert von Traumwelten wie Winsor McCays ‹Little Nemo› oder Lewis Carrolls ‹Alice›, ist der Künstlerin ein Reich aktivierender Erinnerung an Möglichkeiten des Anderslebens gelungen. Jetzt ist es aufgrund der Corona-Pandemie unzugänglich. Während das Palais de Tokyo ­monatlich eine Million Euro durch den Ausfall von Vermietungen und Eintrittskarten verliert, ruft dessen Direktorin Emma Lavigne mit dem Saisontitel ‹Unsere Welt brennt› zur Solidarität auf. Dem stimmt Ulla von Brandenburg im Video-Interview zu: «Wir müssen denen helfen, die von der Hand in den Mund leben, ins Nichts fallen, müssen jetzt sehen, wie sehr Kapitalismus und Neoliberalismus Leben einschränken, wie sehr notwendige Strukturen, wie sehr Gesellschaft abgebaut wurde.» In ihrem Wohnhaus und Atelier am Rande von Paris eingeschlossen, sei sie «wie gelähmt: Ich arbeite sonst von Projekt zu Projekt, reise viel, sehe viele Menschen. Jetzt geht das alles nicht mehr.» Seit rund zwanzig Jahren arbeitet sie durch künstlerische Kooperation, Austausch, aktive Zwischenmenschlichkeit. «Bei mir zuhause fliessen sonst Leben und Kunst ineinander», sagt sie. Das spiegelt sich in dem von romantischen und modern reformerischen Motiven getragenen Film ‹Le milieu est bleu›, Kernstück der Ausstellung. Schauspieler/innen und Tänzer/innen treten in ihrem Théâtre du Peuple de Bussang in den Vogesen auf. Das humanistische Theater aus dem 19. Jahrhundert kann seine Rückwand zum Wald hin öffnen. So soll, forderte dessen Gründer, «Kunst durch die Natur gereinigt werden». Das klingt heute, angesichts der Naturkraft des Virus, unheimlich. Und aktuell, wie Brandenburgs Film als «Entwurf einer Mikro-Gesellschaft, wie die letzte ihrer Art, die ihr Funktionieren und ihre Werte darstellt, aber auch ihre Kapazitäten zur Veränderung». Einsatz für eine andere Gesellschaft, nach dem Virus? «Leben» steht zu Beginn des Films in Stoffstreifen auf den Boden geschrieben, Leben, das im Gesang durch die Münder und Körper der Agierenden nur mit dem Präfix «Zusammen-» Sinn macht, dem Dinge, Räume, Pflanzen, Tiere angehören. «Und hinter den Türen verstofflicht sich ein Ding» lautet eine Textstelle im Film. In der undichten Welt, in die uns Ulla von Brandenburg führt, leben die Werke weiter, bereit, gemeinsam neu und anders zu agieren. «Ich weiss noch nicht, wie es weitergeht», sagt die Künstlerin. Ihre Rolle sieht sie noch immer als Erzieherin, «ich habe einen Auftrag, will Menschen bilden, Wege aufzeigen, sensibilisieren». Was soll werden? Sie erwidert spontan: «Keine Ahnung.» Weitermachen, bald? «Ich warte noch.» 

Bis 
17.05.2020

→ Palais de Tokyo, bis 17.5., evtl. Verlängerung; Film online: ↗ https://www.youtube.com/watch?v=3XFxhXI37Pkwww.palaisdetokyo.com

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Ulla von Brandenburg, Kevin Rouillard 15.06.202003.01.2021 Ausstellung Paris
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