Birgit Werres — Analogien, Additionen, Konfrontationen

Birgit Werres · o.T., # 8/20, 2020, Courtesy Galerie Anke Schmidt, Köln © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

Birgit Werres · o.T., # 8/20, 2020, Courtesy Galerie Anke Schmidt, Köln © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

Birgit Werres · Let’s play it, Rolf !, Ausstellungsansicht Kunstzone Lokremise, Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

Birgit Werres · Let’s play it, Rolf !, Ausstellungsansicht Kunstzone Lokremise, Kunstmuseum St. Gallen © ProLitteris. Foto: Stefan Rohner

Hinweis

Birgit Werres transformiert Alltags- und Industrieobjekte mit gekonnten Eingriffen und Platzierungen und arbeitet die ästhetischen Qualitäten der Materialien heraus. In der Ausstellung in der Kunstzone der Lokremise St. Gallen nehmen ihre Werke den Dialog mit anderen Arbeiten aus der Sammlung Rolf Ricke auf.

Birgit Werres — Analogien, Additionen, Konfrontationen

St. Gallen — Der Coup war gelungen: 2006 erwarben das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main, das Kunstmuseum Liechtenstein und das Kunstmuseum St. Gallen gemeinsam die Sammlung Rolf Ricke. Die Sammlungswerke wurden auf die drei Häuser verteilt; gegenseitig besteht ein unkomplizierter und reger Leihverkehr. Dadurch wird die Sammlung immer wieder zur Quelle umfangreicher Themen- oder Einzelausstellungen wie etwa ‹Primary Structures› 2017 in Frankfurt, ‹Steven ­Parrino – Nihilism is Love› 2020 in Vaduz oder jetzt ‹Birgit Werres – Let’s play it, Rolf!› in der Lokremise St. Gallen.
Birgit Werres (*1962) hat die Ausstellung mit Rolf Ricke zusammen konzipiert. Die beiden haben älteren und jüngsten Arbeiten der deutschen Künstlerin verschiedene Sammlungsobjekte zur Seite gestellt. Im grossen Raumvolumen sind zwar nicht die angekündigten «raumgreifenden Installationen» entstanden, sondern eher eine lockere Zusammenstellung von Einzelstücken. Doch gerade durch die in alle Richtungen ausbalancierte Präsentation sind vielfältige Bezüge möglich. Beispielsweise dank Werres’ zu einem einzigen Zylinder gepressten zehn Fässern ‹o.T., # 42/21› von 2021: Sie sind als Einzelwerk attraktiv mit ihren abgeblätterten Industriefarben und den metallenen Falten, die sogar neben spätgotischen Holzplastiken eines Veit Stoss oder Tilman Riemenschneider bestehen würden. Formal nehmen sie sowohl einen Dialog auf zu drei Fässern von Jeffrey Wisniewski (*1964), in denen sich analoge Handelsbelege der New Yorker Börse befinden, als auch zu ‹Red Hook›, 1970, von Bill Bollinger, das mit vier Stahltonnen, Wasser und drei Schläuchen ein materielles Spannungsfeld aufbaut. Auch farbliche Nachbarschaften fallen mehrfach ins Auge.
Besonders markant stehen zwei 1500-Liter-Polyaethylen-Tanks im Raum. Birgit Werres lässt in diesen beiden mannshohen Industrieprodukten – ursprünglich «amtlich zugelassen für Heizöl und Dieselkraftstoffe» – LEDs leuchten. Zwar prangen noch die Seriennummer und die amtliche Prägung auf diesen beiden Kanistern, aber ihre Dualität und das Licht sorgen für eine Transformation. Letztere ist ein häufiges Moment in Werres’ Arbeiten mit industriellen Materialien und Objekten und könnte sogar noch stärker ausfallen, wäre die Ausstellung nicht im ehemaligen Lokomotivdepot mit seinem Werkhallencharakter gezeigt worden, sondern in mehr Kontraste bietendem musealem Ambiente.

Bis 
07.08.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Birgit Werres 05.02.202207.08.2022 Ausstellung St. Gallen
Schweiz
CH
Autor/innen
Kristin Schmidt
Künstler/innen
Birgit Werres

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