Clare Kenny

Clare Kenny · Hangin on, 2022, Neon, Gips, Sprayfarbe, Holz, 55 x 45 x 5 cm

Clare Kenny · Hangin on, 2022, Neon, Gips, Sprayfarbe, Holz, 55 x 45 x 5 cm

Clare Kenny · 2014–2022, Bronze, Sprayfarbe, Bändel, 17 x 9 x 9 cm

Clare Kenny · 2014–2022, Bronze, Sprayfarbe, Bändel, 17 x 9 x 9 cm

Hinweis

Clare Kenny

Basel — Anstatt wegzugehen, um eine andere zu werden, besinnt sich die britisch-schweizerische Künstlerin Clare Kenny (*1976, Manchester) darauf, woher sie kommt. Sie, die sich ein «working class girl» nennt, ist mit sieben Geschwistern, einem Vater, der Bauarbeiter war, und einer Grossmutter, die in einer Seilfabrik gearbeitet hat, in Manchester während der Thatcher-Jahre aufgewachsen. Hart arbeiten, damit die Kinder es einmal besser haben, ist ein prägendes Leitmotiv aus Kindheitsjahren. So als ob das, was man hat und ist, nicht gut genug wäre. Im Gespräch mit der Künstlerin fallen dann auch immer wieder die Begriffe «Aspiration» und «Elevation». Das Streben nach Höherem reflektiert Kenny nun in ihrer künstlerischen Arbeit, und daraus resultieren zwei Strategien der Aufwertung: Zum einen fügt sie das Gebrauchsobjekt in den Kunstkontext ein, zum anderen «druckt» sie dieses in typischen Materialien und Medien der Kunsthistorie.
«Bei uns zu Hause gab es immer einen ganzen Haufen Seile», sagt Kenny. Seile und Schnüre kann man für alles Mögliche gebrauchen; weggeworfen wurde sowieso nichts. Das Seil erhält in Kennys künstlerischer Arbeit nun den Status einer Proust’schen Madeleine und wird als Neonleuchtrelief inszeniert. In ihren neuen Arbeiten ‹Hanging on› sind es die Formen hingeworfener Seile, die Kenny als Neonleuchte an einen Garderobenhaken hängt. Als Träger des Ganzen dient ein Negativ-Gipsabguss einer Fotoentwicklerschale. Diese Werke sind Kondensate der Strategien des Abdrucks, Fotografieren, Abformen, Giessen, deren Kenny sich seit über 15 Jahren bedient.
Erstarren, Festhalten und Erhöhen liegen ebenfalls Kennys «Ballonarbeiten» zugrunde. Sie, die in früheren Arbeiten oft die Leerräume von Schüsseln, Vasen oder Backformen als wundervolle Gipsskulpturen zur Sichtbarkeit brachte, überrascht nun mit Positivgüssen von Luftballons, denen die Luft ausgeht. Diese Ballons wirken wie Clowns, die nach der Vorstellung einsam hinter der Bühne sitzen, wenn sie als Jesmonite-Guss verloren in einer Ecke liegen, oder als Bronze an einer Schleife an der Wand hängen oder sich gar in den Ästen eines Baumes verfangen haben. Ihr Titel ‹Party’s over› lässt wiederum süsse Melancholie anklingen.
Gerne wählt Kenny für ihre Arbeiten bitter-ironische Titel – ‹give em enough rope to hang ’emselves› ist dafür Paradebeispiel –, die dann doch durch Materialtransformation und Neon- oder Pastellfarbe etwas Liebevolles und Versöhnliches bekommen. ‹Birthmark› nennt die Künstlerin ihre dritte Einzelausstellung bei Gisèle Linder. Das Muttermal als erster und ultimativer Abdruck bricht in allen ihren Arbeiten durch und wird in diesen gleichsam materialisiert und sublimiert.

Bis 
14.05.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Clare Kenny — birthmark 09.04.202214.05.2022 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Clare Kenny
Autor/innen
Françoise Theis

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