Mathieu Mercier

Mathieu Mercier · Hashtray, 2022, Zigarettenstummel in Glas, Ø 18 cm © ProLitteris

Mathieu Mercier · Hashtray, 2022, Zigarettenstummel in Glas, Ø 18 cm © ProLitteris

Mathieu Mercier · Test 3, 2021, Digital Print auf Canson-Papier und Dibond, 50 x 40 cm © ProLitteris

Mathieu Mercier · Test 3, 2021, Digital Print auf Canson-Papier und Dibond, 50 x 40 cm © ProLitteris

Hinweis

Mathieu Mercier

Zürich — Augenzwinkernd und überaus gewitzt schafft Mathieu Mercier (*1970, Conflans-Sainte-Honorine) inmitten des Alltäglichen und Gewöhnlichen Biotope der Kunst, die nicht immer eindeutig und ad hoc als solche erkennbar sind. Zumindest nicht auf den ersten, flüchtigen Blick. Oft braucht es einen zweiten Anlauf, um einordnen zu können, was unseren Augen zunächst mehrdeutig oder vage erscheint.
Der multimediale Künstler spielt bewusst mit unseren Erwartungen und neckt das Publikum mit frischen und überraschenden Rückgriffen auf scheinbar vertraute Stilrichtungen der Malerei, der Fotografie, des Design oder der Plastik.
Eine erste Kostprobe dafür bietet in der Ausstellung ‹some like it pop› bei Lange + Pult ein formschöner Aschenbecher aus Glas. Beiläufig auf einem zierlichen Holzsekretär am Eingang platziert, könnte er leicht als Inventar der Galerie missverstanden werden, wäre da nicht diese Irritation. Man geht vorbei, streift ihn mit einem Blick und hält inne. Hier ist etwas faul: Der Aschenbecher ist benutzt, und die einzige Zigarettenkippe, die in ihm ausgedrückt wurde, scheint unerreichbar. Die Kippe hat in dem Aschenbecher einen gläsernen Sarkophag gefunden, dem sie auf ewig innewohnen wird. Als Zitat ihrer selbst, als Memento mori, mit allen Implikationen, die dazugehören.
Mathieu Mercier ist Franzose, lebt in Paris und wurde 2003 mit dem Prix Marcel Duchamp ausgezeichnet. Kein Urinoir wie Duchamp, sondern einen Aschenbecher erklärt Mercier also zum Readymade. Zudem beherrscht er auch die grosse Geste. Im begrünten Hinterhof der Galerie hat er ein überdimensioniertes ‹Day Bed› platziert, dessen Vorbild bei Mies van der Rohe zu finden wäre. Es ist, anders als der Designklassiker, weiss und spielt mit der Illusion von Marmor, besteht aber aus Coran, wurde also aus Kunststoff gegossen. Die steinähnliche weisse Oberfläche und die Monumentalität des ‹Last Day Bed› lassen die Sphäre des Möbelklassikers in den Hintergrund treten und suchen förmlich die Nähe zu Denkmälern, wie man sie in öffentlichen Parks häufig antrifft.
Dem Prinzip der Kontextverschiebung gehorcht auch eine Fotoserie, die scheinbar konstruktive Kunst in einem musealen Raum abbildet. Die vier Bilder der Serie wurden in der Ausstellung bewusst so verteilt, dass man sie nie gemeinsam sieht. Alle vier Fotos scheinen zum Verwechseln ähnlich, sind aber doch nicht gleich. Und alle Fotos öffnen den Blick auf stark farbige, rechteckige Leinwände oder quadratische Objekte, die bei genauem Hinsehen als geschickt platzierte Post-its in einem kleinmassstäblichen Modellbau erkennbar werden. Verschleiern und entzaubern oder verzaubern und entschleiern, Merciers Kunst funktioniert in beide Richtungen. 

Bis 
07.05.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Some like it pop 17.03.202207.05.2022 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Mechthild Heuser
Künstler/innen
Mathieu Mercier

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