«Comment rester zen» im Centre Culturel Suisse Paris (CCSP)

Nic Hess · Buddhy, 1999; Foto Eliane Laubscher

Nic Hess · Buddhy, 1999; Foto Eliane Laubscher

Besprechung

Das Kulturzentrum hat sich mit anspruchsvollen interdisziplinären Projekten in Paris einen guten Ruf erworben. Mit einer etwas geschwächten Arbeit des erst seit vier Monaten amtierenden Direktors Michel Ritter setzt es mit Beiträgen aus nahezu allen Künsten seine thematischen Ausstellungen fort.

«Comment rester zen» im Centre Culturel Suisse Paris (CCSP)

«Das Meditative, eine allgemeine Atmosphäre der Entspannung im Gegensatz zu all den Formen der Aggression gegen den Einzelnen, die derzeit existieren» – Michel Ritters Definition von «Zen» kann auch als Kommentar zu seiner eigenen Situation verstanden werden. Im CCSP ist «ruhig bleiben» derzeit das Motto von Equipe wie neuem Leiter, deren interne Querelen ungewollt an die Öffentlichkeit gelangt sind. Die Fortdauer der Zusammenarbeit steht in Frage und das drückt auf die Stimmung. Anders als «Mursollaici», der in Paris viel beachtete Erstling Ritters, ist «comment rester zen» deutlich luftiger in Konzeption und Ausführung. «Ich wollte nicht an Moden oder Trends anknüpfen», sagt Ritter, «die Idee ist mir einfach in der Metro gekommen. Ein Werbeplakat erzählte mir jeden Tag: ?Benoït sait, comment rester zen’. Das passte zu dem Ausstellungskonzept, das ich schon seit mehr als einem Jahr im Kopf habe.»

Mit Künstlern wie der Performerin Viktorine Müller, dem Schriftsteller Martin Suter und der Tänzerin Cindy van Acker sowie Musik- und Filmveranstaltungen bietet das interdisziplinäre Programm viel Gutes aus der Schweiz. Schwergewichte wie Balthasar Burkhard oder Daniele Buetti sind nur mit kleinen, eher untypischen Arbeiten vertreten. «Comment rester zen» ist weder tiefgründelnde Konzeptarbeit noch Reflexion fernöstlicher Philosophie, sondern Laboratorium zum Zeitgeist.

So nimmt beispielsweise Sylvie Fleury mit elektrischer Wärmeliege, beleuchteten Salzkristallen und asiatischen Klängen ironisch Wellness-Trend und Ruhebedürfnis aufs Korn. Anders Nathalie Rebholz: Sie dokumentiert mit ihren durchkomponierten Fotografien meditative Momente. Neben ironischem Zitat und Dokumentation ist die künstlerische Suche nach innerer Ruhe Thema vieler Arbeiten. Nic Hess beweist Körperbeherrschung beim Aufbau eines überlebensgrossen Buddhas aus Styropor-Scheiben ebenso, wie Yann Marussich mit seiner Performance. An drei Tagen wird er sich jeweils drei bis fünf Stunden zusammen mit einem Ameisenhaufen in einer Vitrine aufhalten. Eine extreme Erforschung der menschlichen Kapazität, ruhig zu bleiben. Das Publikum kann es vor den pulsierenden, amorph geformten weissen Leinwänden von Pierre-André Ferrand oder am langsamen Auslaufen eines Filzstiftes im Video von Ceal Floyer, einer der besten Arbeiten der Ausstellung, selbst erfahren: Es geht nicht darum, Zen zu verstehen, sondern ruhig zu bleiben. Damit ist die aktuelle Ausstellung im Centre Culturel Suisse Paris zweifellos auch dessen persönlichste.

Bis 
28.06.2003

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