Bewegliche Teile im Museum Tinguely

Wendy Jacob · Child's Squeeze Chair, 2004, Holz, Mohair, pneumatisches System mit Pumpe und Schläuchen, 61 x 48 x 70 cm, Besitz der Künstlerin, © Foto: Nicolas Lachner, Landesmuseum Joanneum und Wendy Jacob

Wendy Jacob · Child's Squeeze Chair, 2004, Holz, Mohair, pneumatisches System mit Pumpe und Schläuchen, 61 x 48 x 70 cm, Besitz der Künstlerin, © Foto: Nicolas Lachner, Landesmuseum Joanneum und Wendy Jacob

Besprechung

Das Museum Tinguely breitet kinetische Kunst der letzten 50 Jahre in einem bunten Rundgang aus, der bekannte und neue, wegweisende und faszinierende Arbeiten zeigt, jedoch an einer gewissen Überfülle krankt.

Bewegliche Teile im Museum Tinguely

Die Ausstellung beginnt mit rotem Teppich und Blitzlichtgewitter: «Interview (Paparazzi)», 2004, eine Installation von Malachi Farrell, taucht Besucher momentweise in eine simulierte Glamourwelt und gibt die Richtung vor: vergnüglich und bunt ist die Schau. «Bewegliche Teile - Formen des Kinetischen» entstand in Zusammenarbeit des Museums Tinguely mit Peter Pakesch vom Kunsthaus Graz und will die Geschichte der kinetischen Kunst von den späten 1950er-Jahren bis heute beleuchten. Grosses Vorbild ist «The Machine», jene berühmt gewordene Ausstellung des New Yorker Museums of Modern Art, die 1968 Maschinenkunst und Kunst-Maschinen von der Renaissance bis zur Gegenwart dokumentierte. Zudem stellt die Schau die Frage nach der Aktualität der Maschinenkunst. Mit dem Aufkommen der Computerart in den 1970er-Jahren liess das Interesse an kinetischen Objekten nach, versiegt ist es jedoch nicht. So konnten für den aktuellen Teil der Ausstellung sieben internationale Künstler gewonnen werden, die eigene Beiträge erstellten. Hierzu gehören interaktive Arbeiten wie die «Squeeze Chairs», 1997/2004, von Wendy Jacob, die mittels hydraulisch bewegbarer Armpolster eine Umarmung simulieren können - Entspannungs-Sessel für Gross und Klein, welche die Künstlerin im Dialog mit der autistischen Wissenschaftlerin Temple Grandin entwickelt hat. Viele der aktuellen Arbeiten basieren auf technikkritischen Gedanken. Fernando Palma Rodriguez beispielsweise breitet das Modell einer Berglandschaft aus, in der Baumgeister an die Schutzbedürftigkeit einer beseelten Natur gemahnen sollen. Wird hier Technisierung mit technischen Mitteln hinterfragt, so begegnet man im retrospektiven Teil der Schau einer Maschinenkunst, die sich noch ganz der Faszination an der Bewegung hingibt: So beispielsweise das magnetische Pendel von Takis, «Électromagnétique», 1959, dann der rotierende Spiegel, «Miroir», 1979, von Piotr Kowalski, der ein fixes Bild erzeugt oder das anmutige «Blue Sail», 1964/65, von Hans Haacke, bei dem ein Ventilator einen zarten Chiffonschal in der Schwebe hält. Sigmar Polkes «Kartoffelmaschine», auch: «Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann», 1969, ironisiert die kinetische Kunst. In Arbeiten wie Rebecca Horns «American Waltz» von 1990, oder Bruce Naumans gespenstischem «Carousel» von 1988 ist die Bewegung nurmehr Motor künstlerischen Geschehens. Die Schau bietet einige sehr schöne Stücke aus der Geschichte der kinetischen Kunst. Doch macht sie es einem nicht unbedingt leicht, diese Geschichte nachzuverfolgen. Die Arbeiten des retrospektiven Teils sind nach Themen und Materialien geordnet: Licht zu Licht, geometrische Form zu geometrischer Form. Der vergleichende Blick, der hier angesprochen wird, setzt ein stabiles Grundwissen voraus. Auch sind aktueller und rückblickender Teil nicht immer voneinander zu unterscheiden. Dies ist dem begrenzten Raum geschuldet, der mit der Fülle an Arbeiten leicht überfrachtet wirkt. Dennoch, die Ausstellung füllt das Tinguely-Museum mit ungewohnt frischem Wind, ist sehenswert und durchaus familientauglich. Mit Katalog.

Bis 
25.06.2005

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