Isa Melsheimer in der Galerie Jocelyn Wolff

Isa Melsheimer · Berg, 2005, Holz, Bruchglas, Silikon, 40 x 40 x 40 cm, Courtesy Galerie Barbara Wien and Jocelyn Wolff, Paris

Isa Melsheimer · Berg, 2005, Holz, Bruchglas, Silikon, 40 x 40 x 40 cm, Courtesy Galerie Barbara Wien and Jocelyn Wolff, Paris

Besprechung

Architekturmodelle, Design und Wohnkultur scheinen der Berliner Künstlerin das Thema vorzugeben. Doch mit Arbeiten wie «Städte», 2002, «Behausung», 1999/2000, oder «Siedlung», 1999, beschreibt die Meisterin der Verwebung von Widersprüchlichem in erster Linie die vielfältigen Schichtungen gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Isa Melsheimer in der Galerie Jocelyn Wolff

Der Austausch der Kunst-Szenen zwischen Berlin und Paris intensiviert sich zunehmend. In Berlin, so schwärmt man in Paris, sind
die Szenen offener, man kann weitaus günstiger leben und findet leicht Kontakt zu anderen Künstlern. Die Berliner hingegen bejubeln die Pariser Dynamik in Institutionen wie dem Palais de Tokyo oder dem Plateau im Pariser Osten und vor allem die gute Ausstattung staatlich geförderter Projekte. Beide Versionen sind zweifellos nur zum Teil wahr, fördern aber die Zirkulation. Vor allem sind es gute Beispiele für die Wirksamkeit von Erzählungen, die das Leben in den Städten ausmachen.

Isa Melsheimer, Meisterschülerin von Georg Baselitz und künstlerisch eine Berliner «Pflanze», ist bildnerische Berichterstatterin des urbanen Formenspiels. Ihre Arbeit «Städte», 2002, grosse Eternit-Vasen, an deren Innenwänden Gebäudeformationen zu wachsen scheinen, zeigt, worauf jede Form städtischen Lebens gründet: den Zirkel. Die runden Vasen setzen räumlich die gesellschaftliche Formation der Stadt in Szene. Städte sind wie eine Ansammlung solcher Vasen strukturiert: In jedem der Zirkel finden sich Menschen zusammen, tauschen sich aus, kreisen, um sich und in ihrer Gruppe. Hin und wieder verlässt man einen der Zirkel, ab und an gibt es Überschneidungen. In Melsheimers Skulptur ist das nicht vorgesehen: Hier stehen die Gefässe im Raum, getrennt, dazwischen Leere. Architektur, Design, Urbanität sind die Hauptthemen der 37-Jährigen, die in verschiedenen Medien und Materialien ihre Sicht auf das Zusammenleben formt.

Zu detailgenau erarbeiteten Objekten stellt sie Stickereien oder Gouachen von urbanen Landschaften oder Interieurs. Die Modellhaftigkeit ihrer Installationen, die nicht selten in Akribie und Genauigkeit an Arbeiten Anna Oppermanns denken lassen, täuscht: Es geht nicht um Vorschläge für Gebautes. Vielmehr gestaltet jedes der Objekte räumlich einen Teil der Strukturen, die Zusammenleben bestimmen.

Für ihre erste Ausstellung in Frankreich in der Galerie Jocelyn Wolff, ebenfalls ein Akteur im Zirkel Paris - Berlin, hat Isa Melsheimer eigens eine Arbeit entworfen und es ist den Betrachtern überlassen, ihre Beobachtungen in den gesellschaftlichen Zirkeln der beiden Städte wiederzuerkennen.

Bis 
24.06.2005
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Jocelyn Wolff Frankreich Paris
Künstler/innen
Isa Melsheimer
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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